Die vielfältigen Wandlungen im Osten lassen die Bundesregierung immer deutlicher ein Reformdreieck erkennen: zwischen Moskau, Warschau und Budapest. Um so intensiver sind die Gespräche, die der Kanzlerbeauftragte Teltschik mit Polen führt, und um so größer ist das politische Gewicht, das Außenminister Genscher den deutsch-polnischen Beziehungen beimißt. Die Chance, das Dreieck an jedem seiner Enden zu stützen, zugunsten weiterer Entspannung und gesamteuropäischer Stabilität, soll nicht versäumt werden.

In peinlichem Gegensatz dazu steht freilich die untergründige Kampagne gegen neue Leistungen an Polen, von der sich die Union, zumal die CSU, nicht deutlich genug abgrenzt. Selbst wenn sie ins Feld führt, daß sie nur Unklarheiten vorbeugen wolle, wie sie auch nach den letzten Vereinbarungen Mitte der siebziger Jahre fortbestanden, so wird doch von Tag zu Tag der Eindruck stärker, daß der Hauptregierungspartei in Bonn die ganze Richtung nicht paßt. Die Aussiedler- und Asylfragen, Renten- und Kreditprobleme sind für sich genommen schon schwierig genug. Jetzt werden sie auch noch im Lichte einer angeblich übertriebenen neuen Bußfertigkeit dargestellt. Es soll ein Zwielicht sein. Schönhuber läßt grüßen.

In Wahrheit wäre es ein Gewinn, wenn ein neuer deutsch-polnischer Akkord auch moralisch auf der Habenseite zu Buche schlüge – wie ein Besuch des Bundespräsidenten, zu dem die CSU schon erklärt hat, daß er jedenfalls nicht zum 50. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen am 1. September stattfinden werde. Richard von Weizsäcker wird erst in die Vergangenheit reisen, wenn die Gegenwartsprobleme geklärt sind. Aber auch hier sieht es so aus, als solle er überhaupt gehindert werden.

Natürlich stecken die Teufel, wie immer, in den Details der Polen-Verhandlungen. Doch wenn sie aufgeboten würden, um die ganze Sache aus innenpolitischem Kalkül zu Fall zu bringen, es wäre gegen alle Vernunft und alle Friedensbemühungen – und ein Grund zur Scham. c.-c.k.