Von Walburga von Zameck

Warum interessieren sich Politiker plötzlich für Hausfrauen? Hausarbeit, meint etwa der saarländische Ministerpräsident Oskar Lafontaine, sei der Arbeit im Erwerbsleben gleichwertig und müsse deshalb entsprechend ihrer gesellschaftlichen Bedeutung auch finanziell anerkannt werden. Mit der Anrechnung der Kindererziehungsjahre im Rentenrecht hat die Bundesregierung mittlerweile einen ersten Schritt in diese Richtung getan. Die Forderung der Frauenbewegung aus den siebziger Jahren, einen Lohn für Hausarbeit zu zahlen, da Hausarbeit gesellschaftlich erst dann als Arbeit anerkannt werde, wenn sich die Anerkennung in Form von Lohn ausdrückt, ist freilich noch längst nicht erfüllt.

Immerhin aber hat sich bei den Politikern die Einsicht durchgesetzt, daß die Arbeit, die Frauen tagtäglich zwischen Herd und Supermarkt, Garten und Waschküche leisten, einen wesentlichen Bestandteil der individuellen und gesellschaftlichen Wohlfahrt darstellt. Doch muß es deshalb einen Hausfrauenlohn geben?

So ganz umsonst machen auch Hausfrauen ihre Arbeit nicht. Richtig ist zwar, daß sie kein Geld für ihre Tätigkeit erhalten. Der Beruf der Hausfrau unterscheidet sich aber von anderen Berufen nicht dadurch, daß in dieser Branche kein Lohn gezahlt wird, sondern dadurch, daß die Bezahlung in anderer Form erfolgt. Der Ehemann stellt der Hausfrau als Gegenleistung fürs Putzen, Einkaufen und Kochen Naturalien in Form von Wohnung, Kleidung, Essen, Auto und viele Dinge mehr zur Verfügung. Diese nichtmonetäre Entlohnung ist das Einkommen der Hausfrau.

Entgegen landläufiger Meinung bezieht eine Hausfrau also ein Einkommen, eines, das zudem nicht einmal besteuert wird. Damit ist die Hausfrau gegenüber anderen Berufstätigen keinesfalls benachteiligt, sie ist ganz im Gegenteil bevorzugt. Jeder andere Einkommensbezieher muß nämlich sein Einkommen versteuern. Und der Charakter des Naturaleinkommens ist kein Grund, dem Steuerzugriff zu entgehen. Andere geldwerte Leistungen, beispielsweise die Jahreswagen der Automobilarbeiter, gelten schließlich als steuerpflichtige Einnahmen. Auch Sozialversicherungsbeiträge, für alle anderen obligatorisch, muß eine Hausfrau nicht zahlen. Sie ist damit dem Schwarzarbeiter vergleichbar. Ebenso wie bei illegalen Beschäftigten werden die Kosten der Hausfrau teilweise der Allgemeinheit aufgebürdet, denn die Hausfrau kann, ebenso wie der Schwarzarbeiter, öffentliche Leistungen nutzen.

Während indes Schwarzarbeit kriminalisiert wird, ist Hausfrauenarbeit nichts anderes als staatlich sanktionierte Schattenwirtschaft. Alle Steuerzahler müssen die Last der Einnahmeausfälle tragen, entweder durch höhere Steuern, um das Niveau der öffentlichen Ausgaben aufrechtzuerhalten – oder durch ein reduziertes Angebot an staatlichen Leistungen. In beiden Fällen beteiligen sich weder Schwarzarbeiter noch Hausfrauen an der Finanzierung der öffentlichen Leistungen, obwohl sie diese in Anspruch nehmen.

Hausarbeit bringt noch mehr Vorteile: Eine Hausfrau verschafft dem Haushalt weitere Steuerermäßigung durch das Ehegattensplitting und die Struktur des progressiven Einkommensteuertarifs. Die Konstruktion des Sozialversicherungssystems untermauert diese Pluspunkte durch die Mitversicherung der nicht am Arbeitsmarkt tätigen Ehefrau. Ein Beispiel zeigt, wie problematisch diese Regelungen sind. Bei zwei Steuerpflichtigen, die voll erwerbstätig sind, läßt sich für beide derselbe Bedarf an einer Haushaltshilfe unterstellen. Handelt es sich um zwei Ledige, sehen sie sich denselben Kosten für die Einstellung einer Haushaltshilfe gegenüber. Handelt es sich aber bei einem von ihnen um den Ehemann einer Hausfrau, dann sieht das anders aus. Er kommt nämlich in den Genuß einer steuerlichen Subvention für seine Haushaltskraft, während der andere mit keinerlei Förderung rechnen kann und zusätzlich die Kosten für die Subventionierung des ersten zu tragen hat.