Das scheint so harmlos, wie es klingt: Kölner Max-Planck-Wissenschaftler wollen Balkonblumen auspflanzen. 37 000 Petunien werden bald auf einem Feld in hellem Rot erblühen, einer Farbe, die man ihnen gentechnisch aufgezwungen hat. Dann werden sie welken, und wenn im Herbst der Pflug die Scholle bricht, wird der ganze Zauber ein Ende haben.

Doch nach der Premiere im Freiland wird es nicht mehr allein um Blumen gehen. In den Gen-Labors der Großchemie warten ganz andere Geschöpfe: Ackerpflanzen, die auch unter der härtesten Unkrautbekämpfung weitergedeihen; schädlingsvernichtende Viren; oder Gewächse, die auf Ödland wachsen und allen Widersachern und Krankheiten trotzen sollen.

Was diese Alleskönnerpflanzen in einer Welt, in der die Arten schon heute zu Tausenden verschwinden, anrichten werden, weiß keiner. Es interessiert vermutlich auch niemanden, sonst würde man vor dem Schritt ins Freiland die Ergebnisse einer systematischen Risikoforschung abwarten. Die rote Zierpflanze jedenfalls hätte man genausogut in einem abgeschlossenen Gewächshaus studieren können. Insofern hat die Zentrale Kommission für Biologische Sicherheit naiv gehandelt, als sie – einstimmig – den exemplarischen Petunienversuch genehmigte, ohne an die Folgeprojekte zu denken. Mit bunten Blumen öffnet sich manche Tür: Petunia non olet. R.K.