Im internationalen Anlagegeschäft gehört zum Erfolg auch eine glückliche Hand, ein Gespür für die Entwicklungen an den Finanzmärkten der Welt, hieß es in der ZEIT/Südprojekt-Investmentanalyse der vergangenen Woche. Beides haben die meisten Rentenfonds, die ihr Geld überwiegend jenseits der bundesdeutschen Grenzen anlegen, im vergangenen Jahr offenbar reichlich gehabt. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Fast ein Drittel aller in der Tabelle aufgeführten Fonds erwirtschafteten eine höhere Rendite als die doch recht anspruchsvolle 100%-Hürde.

Diese ist der von der amerikanischen Investmentbank Salomon Brothers entwickelte Salomon World Bond Index (SWBI), ein internationaler-Rentenmarktindex. Der Kurs des SWB-Index stieg im vorigen Jahr in Mark umgerechnet um 16,3 Prozent (siehe Tabelle). Dabei wurde auch der SWBI um die bei Direktanlegern anfallenden Börsenspesen und Depotgebühren von insgesamt 3,5 Prozent bereinigt, so daß die Renditen der Fonds und die beim direkten Kauf von ausländischen festverzinslichen Wertpapieren erzielten Erträge verglichen werden können.

Wie gut die Anlageprofis der Fondsgesellschaften im vergangenen Jahr lagen, zeigt sich auch daran, daß nur fünf internationale Rentenfonds die 75%-Hürde nicht schafften, also weniger als drei Viertel des SWBI-Kurszuwachses erreichten. Ein so gutes Ergebnis wies keine andere der in der ZEIT analysierten Investmentgruppen aus (siehe ZEIT Nr. 7, Ratschlag für Fondssparer, ZEIT Nr. 9, Hausbackene Magerkost und ZEIT Nr. 10, Geschäft ohne Grenzen).

Ein Blick auf die Tabelle zeigt, daß die Hamburger Vereins- und Westbank mit den von ihr gemanagten Rentenfonds den Vogel abschoß. Die beiden hauseigenen Fonds, Nordcumula und Nordrenta, liegen an der Spitze der Rangliste, und auch der drittbeste, Hansainternational von der Iduna-Versicherung, wird von den Hamburgern geführt. Die Konkurrenz aus dem deutschen Bankenlager haben die Investmentprofis bei der Vereins- und Westbank im vergangenen Jahr damit weit hinter sich gelassen. Rechtzeitig zur Jahresmitte, erklärten die Hamburger, seien sie aus amerikanischen Dollaranlagen in bis dahin „vernachlässigte Bereiche wie australische und kanadische Dollar sowie britische Pfund“ umgestiegen – eine kluge Entscheidung, wie man jetzt weiß.

In vielen Leserzuschriften und Anrufen zur neuen ZEIT/Südprojekt-Investmentanalyse tauchte immer wieder die Frage auf, ob denn der Anlegerstreßfaktor (ASF) für eine Anlageentscheidung so wichtig sei? Die Antwort kann gut am Beispiel der internationalen Rentenfonds gegeben werden.

Die Kurse dieser Fonds schwanken im Verlauf eines Jahres im allgemeinen deutlich stärker als die der in Deutschland anlegenden Rentenfonds, aber weniger als die der Aktienfonds. Hinsichtlich der Kursschwankungen nehmen sie also gewissermaßen einen Mittelplatz ein. Der wichtigste Grund für die gegenüber den inländischen Rentenfonds deutlich größeren Kursschwankungen sind die Wechselkursänderungen ausländischer Anlagewährungen gegenüber der Mark. Der australische Dollar zum Beispiel avancierte in den vergangenen Jahren zu einer der heißesten Spekulationswährungen. Die hohen Zinsen von fünfzehn Prozent und mehr pro Jahr machten den „Aussie“ attraktiv, aber die Wechselkursschwankungen gegenüber der Mark fraßen in den zurückliegenden Jahren oft die Rendite wieder auf – allerdings nicht im vorigen Jahr.