Walter Wallmann hat sich in der Mainmetropole profiliert, sein Nachfolger blieb im Schatten: Wird Volker Hauff das Erbe antreten?

Von Gunter Hofmann

Frankfurt, im März

Den Wahlabend, das hat sich Walter Wallmann vorgenommen, möchte er im Römer verbringen. Dort hat er seine politischen Glanzzeiten als Frankfurter Oberbürgermeister erlebt, er nennt das sein "Lebenswerk". Man hört ein bißchen Nostalgie aus seinen Worten heraus, wenn er – seit April 1987 Regierungschef im toten Winkel Wiesbaden – auf diese Zeit zurückblickt.

Wallmanns Nachfolger Wolfram Brück kann am Sonntag abend Trost brauchen – falls die Demoskopen diesmal wirklich recht behalten. Sie prophezeien, die CDU werde den Römer verlieren, selbst wenn die FDP in die Stadtverordnetenversammlung zurückkehrt. Offen ist, wie es sich auswirkt, daß die Union nach der Überraschungswahl von Berlin mit CDU-Debakel und Republikaner-Erwachen plötzlich ein großes Thema für sich entdeckt hat, die Ausländerpolitik. "Rot-Grün" als akute Gefahr hatte sie schon vorher an die Wand gemalt, nun erst recht, seit sich in Berlin die Koalition zwischen den Sozialdemokraten und der Alternativen Liste abzeichnet. Doch auf dieses Thema reagieren die Frankfurter einigermaßen gelassen. Doch der Appell an Instinkte, das Schüren von Ressentiments gegenüber "Schein-Asylanten", die Angstmacherei vor dem Fremden, dieses Kalkül aus Panik und Hilflosigkeit – wird das alles wirkungslos bleiben?

Im Römer wartet am Wahlabend vermutlich einigermaßen nervös auch Volker Hauff. Der Sozialdemokrat, Jahrgang 1940, Volkswirt, Schwabe, Kölner, Bonner und nun auch Frankfurter, hat gute Chancen, beim zweiten Anlauf Oberbürgermeister im traditionsreichen Rathaus zu werden. Überhaupt könnten ja in Hessen bei den Wahlen endgültig die alten sozialdemokratischen, hier und da ein bißchen grün eingefärbten Verhältnisse wieder einkehren.

Gegen den Trend hatte sich die Union 1985 mit Walter Wallmann in Frankfurt (wie in Fulda) noch einmal behauptet. Wallmann, Jahrgang 1932, Jurist und Richter, galt als erfolgreicher Oberbürgermeister der Stadt, die er für die CDU 1977 erobert hatte. Aber auf eine merkwürdige Weise verpufft und versickert, was er als Regierungschef in Wiesbaden anzettelt, während die Erinnerung an seine Frankfurter Jahre verblaßt und der Nachfolger Wolfram Brück nie aus dem Schatten heraustreten konnte. Wallmanns Wechsel über das Umweltministeramt in Bonn nach Wiesbaden, 1986 und 1987, wirkt heute, als hätte er seinen politischen Rückzug eingeleitet.