Husum war uns, in dieser geschüttelten Zeit, immer ein Fixpunkt. Husum war uns Sturm und Storm, war Westküste da oben, wo sich unerschütterlich das Leben zwischen den Gezeiten vollzieht. Ebbe und Flut und Ebbe und Flut und Ebbe und –

Husum, sobald der Nebel sich verzog, war uns blaue Stadt am Meer, jedes Frühjahr, wenn die Krokusse im Schloßgarten einvernehmlich aus dem Boden schossen und viermillionenfach ihre farbstrotzenden Kelche in die Seeluft stellten. Welche Freude für unsere fernsehtrüben Augen, Balsam auf die winterliche Seele, das Blütenwunder, ein erster Spaziergang, Bad im Blutenmeer, vieltausendfach fuhren wir herbei, verstopften die Straßen mit Bussen, die Cafés mit uns und uns mit Brause und Kremkuchen, hei, was kostete das Leben in Husum.

Da war in all den Jahren soviel, von dem wir nichts wissen wollten, ich sage nur: Katastrophen; soviel, von dem wir uns in Husum erholen wollten, ich sage nur: Mord und Terror überall auf der Welt; und wir haben uns in Husum an den Händen gefaßt und gesagt: schön, diese Blumen.

Das war dieses Alle Jahre wieder, dieses Trotzdem, dieses Nun erst recht, das uns Kraft gab.

Das war –

Das ist –

Vorbei. Das Böse hat Husum erreicht.