Zwar empfiehlt der 75 Jahre alte LDP-Oberhaus-Abgeordnete Bunbei Hara: "Die LDP sollte den Skandal aufklären, oder wir treten ab." Aber die Parteispitze mag dem gutgemeinten Rat nicht trauen. Denn wo die Skandale enden, weiß sie nach gut vier Jahrzehnten Alleinherrschaft beim besten Willen nicht mehr.

Die Zeit drängt. Im Juli wird die Hälfte der Sitze im Oberhaus neu vergeben. Den Wähler scheut die Regierungspartei noch mehr als den Staatsanwalt. Denn die Popularität der LDP hat nicht nur unter der Korruption stark gelitten. Die im April in Kraft tretende Steuerreform und die sozialen Folgen einer astronomischen Bodenpreisspekulation sind beim städtischen Wähler schlecht angekommen, während die Treue der bäuerlichen LDP-Stammwähler unter der begonnenen Importliberalisierung für Agrarprodukte schwankt. Nippons Großindustrie dreht obendrein den Geldhahn für Spenden zu, muß sie doch zu Recht um das internationale Ansehen der Weltwirtschafts- und Weltfinanzmacht Japan fürchten.

"Japan schleudert, ohne es zu merken, in eine gesamtgesellschaftliche moralische Krise", analysiert Kaoru Okano, Professor an Tokios Meiji-Universität, die Lage der Nation. Die Krisensymptome beginnen bei dem Austrocknen der Kriegskasse für eine Partei, die statt eines Programms offenbar nur mit Geld regierte. Sie enden bei dem Verlust der Fiktion einer egalitären Gesellschaft und dem Mißbrauch der Loyalität, ohne die Stabilität in Japan schwer vorstellbar ist. "Was uns bleibt, ist unser Shintoismus", spottete die Asahi Shimbun in Anspielung auf den Gleichklang im Namen des einsitzenden ehemaligen NTT-Vorsitzenden mit der japanischen Ur-Religion, in der selbst die Götter durch und durch bestechlich sind.