Kaum ein Forschungsbereich der Computerwissenschaften ist so sehr von Mythen und Gerüchten, Erwartungen und Befürchtungen umrankt wie die Arbeitsrichtung "Künstliche Intelligenz".

Im Kern der äußerst gegensätzlichen Emotionen und Ansichten, die der Begriff auslöst, liegt die Vorstellung eines aus sich selbst entwicklungsfähigen technischen Systems – eines unabhängigen Automaten, der zu eigenständigen Erkenntnissen kommen, also "denken" könnte, in der Bewegungsmechanik eines Roboters untergebracht auch "handeln". Ein Programmierer hat es so formuliert: "Ein Computer, der sich seine Ersatzteile selber klauen kann."

Manche Zeitgenossen betrachten die Konzepte solcher Maschinen voll Zuversicht. Sie sehen etwas wie Autopilot-gesteuerte Überschallflugzeuge des Geistes Gestalt annehmen; Gedankenbrutkästen, die culture calculating betreiben, Zivilisations-Optimierung, elektronische Weltverarbeitung.

Unbehagen bereitet dagegen vielen die Perspektive einer wildgewordenen, super-intelligenten, aber amoralischen allen machine, eines unmenschlichen bösen Geräts, das sich gegen die Menschen wendet, die es gebaut haben.

Der Begriff artificial intelligence (AI) wurde Mitte der fünfziger Jahre von amerikanischen Wissenschaftlern geprägt. Literatur und Kino lassen seit Jahrzehnten Visionen von autonomen Super-Sinniergeräten und Mensch-Maschinen erstehen.

So erzählt Stanislaw Lem in seinem Roman "Die Fliegen" von der Entdeckung einer versunkenen Roboter-Zivilisation auf einem Wüstenplaneten. Es stellt sich heraus, daß die Maschinen vor Zeiten nicht nur ihre Konstrukteure, sondern darüber hinaus die ganze Biosphäre des Planeten beseitigt und die Meere ausgetrocknet haben. Hauptgrund für die automatengelenkte Apokalypse: Feuchtigkeit, Essenz jeder biologischen Existenzform, bedroht durch Kurzschlüsse und Rost die Funktion elekronischer Maschinen.

Dazu paßt der heute – neben Hardware und Software, den Bezeichnungen für Geräte und Programme – in der Computerbranche gebräuchliche Jux-Terminus Wetware: Das sind wir, die Menschen.