Die internationalen Konferenzen jagen sich. Längst können Spitzenpolitiker und gar Regierungschefs mit Umweltthemen, einst als Steckenpferd grün angehauchter Hinterbänkler belächelt, auf internationalem Parkett Staat machen. Hier eine Konferenz in London, dort eine in Den Haag und schließlich noch eine in Prag – dem Tourismus der Umweltpolitiker sind keine Grenzen gesetzt. Doch stehen bei soviel zur Schau getragenem Engagement nun plötzlich die Ampeln für mehr Umweltschutz auf grün?

Kein Zweifel, die Umweltpolitik ist hoffähig geworden. Doch ist deshalb der Widerspruch zwischen kurzfristigen Gewinn- und langfristigen Überlebensinteressen keineswegs aufgelöst. Freilich haben einige Branchen wie die Automobilindustrie oder die Produzenten von ozonschädigendem Treibgas ihren lange währenden Widerstand gegen Umweltschutzmaßnahmen aufgegeben und treten nun die Flucht nach vorne an. Das gibt den Politikern Spielraum für populistische Aktionen und nützt der Umwelt. Nur: Es darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß umweltschonendes Wirtschaften, von Ausnahmen abgesehen, auch in Zukunft nur gegen Widerstand durchgesetzt werden kann.

Genau davon droht die Flut der internationalen Umweltkonferenzen aber abzulenken. Denn kurzfristig bringen sie außer schönen Worten und Schlagzeilen am nächsten Tag nicht viel. Weil viele Umweltprobleme grenzüberschreitenden Charakter haben, ist internationale Kooperation notwendig. Aber sie darf nicht damit enden, sich in kurzen Intervallen zu treffen, die globale Dimension der Problematik zu beschwören und dann wieder auseinanderzugehen. Wie glaubwürdig die Umweltpolitik ist, zeigt sich erst daran, ob auch schon im Vorfeld globaler Aktionspläne gehandelt wird. Die Schwierigkeiten internationaler Koordination dürfen keine Ausrede, die Inflation der internationalen Umweltkonferenzen kein Ersatz für nationale Umweltpolitik werden. vo