Noch ehe das Gesetz über die Reform der Deutschen Bundespost überhaupt die parlamentarischen Hürden genommen hat, sickern bereits die ersten Meldungen über eine wundersame Personalvermehrung durch.

Die Dreiteilung der Post in je ein Unternehmen für den traditionellen Sektor mit Briefen und Paketen, den Gelddienst und das Fernmeldewesen führt beispielsweise dazu, daß bei der für das Fernmeldewesen zuständigen Postfirma Telekom ein achtköpfiger Vorstand eingerichtet wird als Ersatz für die gegenwärtigen zwei Abteilungsleiter. Und weil die acht Vorstandsmitglieder der Telekom ja die Aufgabe haben, die Post für die Zukunft fit zu machen, ist es natürlich nicht damit getan, sie alle mit einem üblichen Beamtensalär für Abteilungsleiter (knapp 140 000 Mark im Jahr) zu bezahlen. Da müssen dann schon Vorstandsgehälter zumindest à la Deutsche Bundesbahn oder Lufthansa hingeblättert werden. Dieses wiederum bedeutet im Durchschnitt für jedes Vorstandsmitglied rund 400 000 Mark, wobei der Vorsitzende etwas mehr bekommt, die übrigen etwas weniger.

Ein Vorstandsmitglied, wenn nicht gar der künftige Telekom-Vorsitzende, scheint übrigens schon gefunden. Wie man am Rande der gegenwärtig auf Hochtouren laufenden Reform-Diskussion im Postausschuß des Parlaments hörte, ist Bernhard Worms, Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion in Düsseldorf ausgeguckt worden. Nachdem es Worms in der Vergangenheit nicht geglückt ist, die CDU in Nordrhein-Westfalen fit für die Zukunft zu machen, darf der Kohl-Freund sein Glück nun bei der Telekom versuchen. Auch wenn es schon lange her ist, daß Worms richtig postalisch gearbeitet hat, so hat er es bei der alten Post doch immerhin zum Abteilungspräsidenten gebracht. Der Unionspolitiker aus Düsseldorf wird sicher nicht der sinzige Parteimann sein, der bei der neuen Bundespost einen sicheren Posten bekommt. Auch unterhalb der Vorstandsebene gibt es nämlich ganz attraktive Posten. Bei der Telekom ist zum Beispiel die Einrichtung van 24 (in Worten: vierundzwanzig) Geschäftsbereichen im Gespräch. Über die Gehälter der jeweiligen Leiter wird beim Postpersonal bereits spekuliert. Als Obergrenze wird ein Monatsgehalt von gut 10 000 Mark genannt, für ältere Parteipolitiker ohne ausreichende Erfahrung durchaus ein angemessenes Einkommen, zumal ja meistens noch Parlamentsrenten dazukommen.

Daß den Banken die Quellensteuer nicht schmeckt, ist verständlich. Sie macht nur Arbeit; denn die Kreditinstitute müssen zehn Prozent von den Zinserträgen ihrer Kunden direkt an den Fiskus weiterleiten, ohne daß sie für diese Mehrarbeit in irgendeiner Weise entschädigt würden. Wolfgang Röller, der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, wollte nach der Mitgliederversammlung in Born zwar keine Zahlen nennen, ließ aber spüren, daß er den Quellenabzug für eine Zumutung für die Banken hält.

Im Bundesfinanzministerium herrschte lange Ärger darüber, daß die Kredit nstitute ihren Kunden offen dazu raten, ihr Geld beispielsweise nach Luxemburg zu verlagern, wo Zinsen nicht besteuert werden. So schimpfte im November Staatssekretär Hansjörg Häfele über das „Verhalten von Bankenvertretern, das die Grenze von seriöser Kundenberatung weit überschreitet“. Nachdem die ersten Einnahmen aus der Quellensteuer verbucht worden sind, hellen sich die Mienen im Hause von Gerhard Stoltenberg jedoch zusehends auf. Allein im Februar sollen 800 Millionen Mark aus der Quellensteuer eingegangen sein. Dabei waren für das gesamte Rechnungsjahr 1989 lediglich 3,4 Milliarden Mark eingeplant.

Der pakistanische Botschafter in der Bundesrepublik, Mahdi Masud, hat in einem Brief an den Vorsitzenden des Atom-Untersuchungsausschusses im Deutschen Bundestag, den SPD-Abgeordneten Hermann Bachmaier, alle Beschuldigungen zurückgewiesen, sein Land hätte sich mit Hilfe deutscher Firmen illegal in den Besitz von Nuklearmaterial gebracht, das zum Bau von Atomwaffen geeignet sein könnte. Mahdi Masud beteuerte, Pakistans Nuklearprogramm sei ausschließlich auf friedliche Zwecke ausgerichtet. Der Botschafter: „Die Vorwürfe gegen Pakistan sind unbegründet.“

Die Staatsanwaltschaft in Hanau, die seit Monaten unter anderem gegen die beiden hessischen Firmen NTG und PTB ermittelt, ist da ganz anderer Ansicht. Zeugenaussagen haben jedenfalls ergeben, daß Mahdi Masuds Vorgänger, Botschafter Abdul Waheed sich sogar ganz persönlich um die deutsch-pakistanischen Nuklear-Geschäfte gekümmert hat. Und für nicht ganz friedliche Geschäfte spricht, daß die pakistanische Atomenergiebehörde andere pakistanische Firmen zwischengeschaltet hat, um nach außen nicht erkennen zu lassen, daß sie der eigentliche Kunde war. Die Geschäftskorrespondenz zwischen Käufer und Verkäufer wurde auch nie der Post anvertraut. Sie lief über Botschaftskuriere. Wolfgang Hoffmann