Von Willi Germund

San Salvador, im März

Mit einem halben Mindestlohn waren sie dabei. Zweihundert Colones, 80 Mark, legten die 150 Gäste für das exklusive Grillfest in der Stadt San Miguel auf den Tisch. Das Angebot neben saftigen Steaks: die komplette Führungsspitze der Partei Arena. Als erstes trat der "Held von Cabanas" auf. Ex-Oberst Sigfrido Ochoa meuterte vor einigen Jahren mit ihm unterstellten Soldaten gegen die "weichliche und unfähige Armeeführung" El Salvadors. Inzwischen widmet er sich nur noch der Politik. Während er wider die "internationale kommunistische Verschwörung" in El Salvador wettert, stehen San Miguels Rancher und Grundbesitzer am Grill Schlange.

Dann ist Ex-Major und Parteigründer Roberto D’Aubuisson an der Reihe. Zu fortgeschrittener Stunde sorgt schließlich Alfredo Christiani, ihr Präsidentschaftskandidat, für das Ereignis des Abends: Bierglas und Zigarette in der Linken, Mikrophon in der Rechten, stöhnt der Kaffeepflanzer und Pharmaindustrielle "El Rey" über die Lautsprecher, jene Mariachi-Schnulze, die hartgesottene Machos in ganz Lateinamerika in Tränen ausbrechen läßt.

Im März vorigen Jahres holte die rechtsradikale Arena-Partei bei den Parlamentswahlen die absolute Mehrheit. Jetzt soll am 19. März auch der Präsidentenpalast erobert werden. Eine Woche nach dem feucht-fröhlichen "Barbecue" in San Miguel demonstrierte Arena Stärke in der Hauptstadt San Salvador. Etwa 4000 Mitglieder versammelten sich zum "Sternmarsch des Sieges". Unter strahlend blauem Himmel schwenkten sie ihre Fähnchen mit dem schwarzumrandeten Kreuz in den rot-weiß-blauen Parteifarben, schmetterten sie aus ganzem Herzen: "Freiheit schreibt sich mit Blut, Arbeit mit Schweiß, wir vereinen beides, aber an erster Stelle steht El Salvador."

Schweiß freilich dürften die meisten Anhänger allenfalls aus dem Fitneß-Studio kennen. Die Fans schwangen Plakate mit dem Photo von "Fredy", wie Alfredo Christiani sich gern nennen läßt. Er gilt als Kandidat der Geldgeber, mit dem auch jene Stimmen erworben werden können, die sich in der Vergangenheit noch von Arenas "Blut und Boden"-Ideologie abschrecken ließen. Christiani verspricht soziale Gerechtigkeit, mehr Arbeitsplätze und – am Ende seiner Rede – auch Frieden. Erreichen will er dies mit weniger Regierungseinfluß, mehr Unternehmerfreiheit und freier Hand für die Armee.

Aber wenn die Parteispitze auf der Tribüne erscheint, skandiert die Menge einen anderen Namen: "D’Aubuisson". Der ehemalige Geheimdienstoffizier gründete Anfang der achtziger Jahre die "Republikanisch Nationalistische Allianz". Er gilt als einer der führenden Köpfe der rechtsgerichteten Todesschwadronen, die in enger Zusammenarbeit mit der Armee den größten Teil der 70 000 Toten zu verantworten haben, die seit 1980 im salvadorianischen Bürgerkrieg starben. Die christdemokratische Regierung El Salvadors veröffentlichte jüngst wieder Daten, die D’Aubuissons Verwicklung in den Mord an Erzbischof Arnulfo Romero im März 1980 belegen – Vorwürfe, die den drahtigen Ex-Major in den Augen seiner Anhänger zum Helden stempeln. "Major Bob", wie ihn seine Verehrerinnen anhimmeln, braucht nur einen Satz, um die Anhänger zum hysterischen Jubel aufzuwiegeln: "Der Sieg kann uns nur durch Betrug gestohlen werden." Zweifeln ist Verrat an der Sache.