Es ist noch gar nicht lange her, da zog ein grüner Politiker namens Joschka Fischer ins hessische Umweltministerium ein – und gleich ging die Industrie auf die Barrikaden. Die Aussicht etwa, daß selbst einflußreiche Chemiekonzerne geltende Umweltnormen künftig einhalten müßten, erregte Unmut. Die Drohung blieb nicht aus, man müsse dann eben die Produktion dahin verlegen, wo das politische Klima günstiger sei. Das war 1985.

Heute steht Frankfurt, Hessens größte Stadt, vor dem Einzug einer rot-grünen Koalition ins Rathaus. Mainhattan, das Symbol für Kapitalismus und Hochfinanz, wird bald von Leuten mitregiert, bei denen die Hochhäuser der Banken, die Edelkarossen der Industriellen und die Nadelstreifen der Börsianer nicht gerade freundschaftliche Gefühle hervorrufen. Doch das Erschrecken hält sich in Grenzen, Finanzwelt und Industrie geben sich diesmal ziemlich gelassen.

Wahrscheinlich haben beide Seiten dazugelernt. Die Grünen provozieren längst nicht mehr soviel Angst wie vor ein paar Jahren, die Bosse halten sich mit unüberlegten Reaktionen zurück. Wahlen sind Wahlen – und der Feind steht ohnehin nicht mehr unbedingt links. Eine Handvoll NPD-Leute in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung schadet dem internationalen Ansehen der Wirtschaftsmetropole am Main mit Sicherheit mehr als die Alternativen um Daniel Cohn-Bendit. Mit diesen Grünen kann die Wirtschaft leben, genau wie sie einst einen Joschka Fischer ohne Schaden ertrug. Von Produktionsverlagerungen war übrigens auch damals schon nach ein paar Wochen keine Rede mehr... smi