ZEIT: Herr Ripa di Meana, warum plädieren Sie heute für schärfere Abgasnormen für Kleinwagen?

Ripa di Meana: Man muß sich das gesamte Umfeld vergegenwärtigen. Im April wird das Europäische Parlament in seiner Stellungnahme zur Position des Ministerrates sehr viel schärfere Normen fordern. Mehrere EG-Lander wenden steuerliche Entlastungen für Katalysatorautos an oder bereiten sie vor. Wir haben die schweren Smogprobleme in Mailand gehabt. Auch ein Teil der Automobilindustrie hat seinen Standpunkt geändert. Fiat hat in Genf erklärt, Italien öffne sich dem Katalysatorauto. Aus all diesen Gründen habe ich meinen Kollegen vorgeschlagen, die Frage noch einmal zu überdenken. Es kommt hinzu, daß vor vier Jahren behauptet wurde, die vorgeschlagenen europäischen Normen für die Mittelklasse und Kleinwagen seien hinsichtlich der Umweltwirkung den amerikanischen gleichwertig. Nun stellt sich heraus, daß dies eine politische Fiktion war.

ZEIT: Das haben die Kritiker schon damals bemängelt...

Ripa di Meana: Wenn eine Fiktion so offensichtlich zusammenbricht, muß man die Debatte neu aufrollen. Von der Kommission wäre es nicht sehr weise, während des Wahlkampfs zum Europaparlament den Sündenbock in einem Nachhutgefecht zu spielen, das sogar große Teile der Autoindustrie schon aufgegeben haben.

ZEIT: Werden Sie die Anwendung der US-Normen für Kleinwagen unter 1,4 Liter in der EG empfehlen?

Ripa di Meana: Meine Marschrichtung ist klar, ich will schärfere Normen. Ob die US-Normen das letzte Wort sein werden, kann ich noch nicht sagen. Aber natürlich habe ich die Auseinandersetzung nicht eröffnet, damit lediglich ein großes Palaver stattfindet.

ZEIT: Die Verschärfung der Normen auch für die Mittelklasse, die bislang nicht den Dreiwegekatalysator vorschreiben, schließen Sie nicht aus?