Von Heinz Blüthmann

Wenn er es früher ankündigte, nahmen es ihm nur wenige wirklich ab. "Ich habe mir fest vorgenommen", sagte Daniel Goeudevert bereits vor sechs Jahren, "den Job mit fünfzig an den Nagel zu hängen."

Zu diesem Zeitpunkt war der Vorstandsvorsitzende der deutschen Ford-Werke in Köln gerade erst 41 Jahre alt und damit jüngster Automobilboß in der Bundesrepublik. Eine Vorliebe hatte er freilich schon gut entwickelt: Ungewöhnliches von sich zu geben und zugleich ein wenig zu scherzen – auch über sich: "Bis dahin", so Goeudevert damals, "habe ich dann wohl auch den höchsten Grad meiner Inkompetenz erreicht."

Soweit hat er es nicht kommen lassen. Wenn der Franzose mit dem flämischen Namen (richtige Aussprache: "Gödewer") Ende kommenden Monats freiwillig seinen Schreibtisch bei Ford in Köln räumt, wird er immer noch jünger – jugendlicher ohnehin – als die weitaus meisten Autovorstände in Europa sein: nur 47. Er geht ohne Zorn und Zoff. "Ich habe immer außerordentlich gern für Ford gearbeitet", sagte Goeudevert in den vergangenen Wochen. Aber: "Ich habe viele andere Interessen in meinem Leben, denen ich mich jetzt widmen möchte."

Daß dies keine leeren Formeln sind, die einen höheren Orts erzwungenen Rücktritt kaschieren sollen, belegt die offizielle Ford-Erklärung. Das "gegenseitige Einvernehmen", die übliche Wendung zur Verkleisterung des Gegenteils, fehlt darin. Statt dessen fand Aufsichtsratschef Lindsay Halstead ungewöhnlich klare Worte des Lobes und Respektes für Goeudevert: "In den vergangenen acht Jahren hat er die Ford-Werke AG mit großer Professionalität und Effizienz durch schwierige Zeiten geführt. Dafür schulden wir ihm Dank und Anerkennung, und wir wünschen ihm für die Zukunft jeden erdenklichen Erfolg." Im Klartext heißt das: Diesen guten Mann lassen wir ungern ziehen.

Den unruhigen Geist Goeudevert zog es schon länger weg von Ford, ganz weg aus der Autobranche. Eigentlich suchte er nach einem passenden Termin für den Ausstieg, nachdem ein Wechsel zu Volkswagen und Audi 1987 gescheitert war. Eine neue Lebensgefährtin hat ihn dann in der Idee verstärkt, noch einmal alles anders zu machen – auch beruflich.

Den Blech-Beweis seiner erfolgreichen Ford-Zeit wollte Goeudevert gerade noch abwarten. Und der kam mit dem Genfer Autosalon, auf dem in der vergangenen Woche der neue Ford-Kleinwagen Fiesta erstmals einem breiten Publikum vorgestellt wurde. Stolz und zum Ärger der Konkurrenten verkündete Goeudevert: "Ich weiß nicht, ob es das in der Automobilgeschichte je gegeben hat, ein sehr seltener Fall ist es mit Sicherheit: Der neue Fiesta – größer, technisch ansprechender und besser ausgestattet als seine Vorgänger – wird zum selben Preis angeboten." Den verblüfften deutschen Wettbewerbern, die bei Modellwechseln stets zwischen zehn und zwanzig Prozent aufgeschlagen haben, hielt der Ford-Chef vor: "Die deutschen Autos sind zu teuer geworden." Sein Argument: Der Durchschnittspreis ist auf 25 800 Mark gestiegen. Das geht über die Möglichkeiten der meisten Haushalte hinaus. Sechzig Prozent kaufen ihren Wagen schon auf Pump. In den siebziger Jahren haben noch neunzig Prozent der Deutschen ihr Auto bar bezahlt. Auf Dauer könne das nicht gutgehen.