/ Von Carl Goerdeler

Asunción, im März

Unter der brennenden Sonne liegt Asunciön wie in einem bleiernen Mittagsschlaf. An den Mauern kleben Plakatfetzen mit dem ausgeblichenen Portrait des Diktators: Vote por la Paz – Stroessner Presidente. Die Karabiner-Einschläge des Coups vom 3. Februar sind noch am Polizeihauptquartier zu bewundern. In jener Nacht endete die 35jährige Alleinherrschaft des "Deutschen" Don Alfredo Stroessner Mattiauda. Sein Paladin, General Andrés Rodriguez, riß die Macht an sich.

Er versprach sogleich, die "Einheit der Streitkräfte" wiederherzustellen, die Demokratie einzuführen, die Menschenrechte und die römisch-katholische Kirche zu achten. Panzergeneral Rodriguez räumte auf; er schickte 32 von 46 tattrigen Kommandeuren der Streitkräfte aufs Altenteil und beförderte ihm ergebene Obristen. Er ließ drei Dutzend Personen aus dem Stroessner-Regime verhaften und bildete ein Kabinett aus unbelasteten Technokraten. Der neue Mann kam zur Messe und zeigte sich mit den bislang als "Staatsfeinde" gebrandmarkten Oppositionellen. Schließlich dekretierte er Wahlen, wie es die Verfassung verlangt. Am 1. Mai wählt Paraguay einen neuen Präsidenten. Er wird wahrscheinlich Andrés Rodriguez heißen.

Er gilt als reichster Mann im Lande. Dem General gehören eine Fluggesellschaft, eine Brauerei, eine Schmuckfirma und die einzige Kupferdrahtfabrik Paraguays. Eine Kette von Wechselstuben, Landbesitz und Immobilien runden sein Vermögen ab. Das alles hat Rodriguez sich als engster Vertrauter des alten Caudillos erwerben können. Er gehört auch familiär zur Stroessner-Sippe; seine Tochter hat einen Sohn des "Alten" geheiratet. Erst als der greise Diktator seinen Sohn Gustavo als politischen Erben aufbaute und Rodriguez abzuhalftern drohte, trennten sich die Wege.

Der schwerkranke Stroessner hatte seinen politischen Instinkt eingebüßt. Er stieß die Armee und die regierende Colorado-Partei vor den Kopf und forderte damit beide Stützen des Regimes heraus. Man konnte nicht länger auf die "biologische Lösung" warten; Rodriguez schlug los. Fünfhundert blutjunge Kadetten, "Soldatitos" des Wachbataillons, bezahlten seinen Erfolg mit ihrem Leben.