Für den Unbeteiligten sind sie manchmal ein Quell ungetrübter Freude – die Schadenersatzforderungen deutscher Urlauber. Vor Amts- und Oberlandesgerichten klagt gelegentlich der blühende Unsinn gegen Gott und die Welt und manchmal gegen beide zusammen.

Eine neue, bisher noch nicht bekannte Variante wurde jüngst vor dem Oberlandesgericht Frankfurt (AZ 14 U 182/86) aktenkundig. Es ging dabei um den Fisch, genauer um die Anwesenheit schwedischer Süßwasserfische. Diese sowie "herrliche Angelstrecken", "ausgezeichnete" Fänge und kapitale "Großforellen" hatte ein Reiseveranstalter seinen Anglerkunden versprochen. Etliche Petrijünger bissen prompt an, zappelten am Haken und fuhren frohgemut und voll Hoffnung auf reiche Beute für zwei Wochen Anglerurlaub gen Norden. Am Fluß saß nun bereits unser Kläger und warf die Rute aus, Tag um Tag, Stunde um Stunde. Aber es biß weder Äsche noch Hecht und erst recht nicht die versprochene Großforelle an. Da verging dem enttäuschten Urlauber sogar das Anglerlatein. Er packte seine Sachen und fuhr nach einer Woche wieder nach Hause. In seiner Erinnerung zappelten lediglich ein paar Mischwinzlinge am Haken.

So verkümmerte die Jagdlust zum Frust. Der Reiseveranstalter sollte nun wegen entgangener Urlaubsfreuden, sprich: nicht eingehaltener Fangquoten, bluten – so wie das Fischlein am Haken.

Vielleicht hätte der Reiseveranstalter auch zahlen müssen, wenn da nicht ein Gutachten des zuständigen schwedischen Forstamtes angefordert worden wäre. Die grünen Männer schrieben, der geringe Fischbestand sei eine "vorübergehende Laune der Natur" gewesen, weil die Witterungslage einen verspäteten Wanderbeginn der Großforellen provoziert habe. Deswegen seien sie nicht rechtzeitig beim deutschen Angler am großen Fluß eingetroffen.

Das leuchtete den Richtern ein. Sie sagten sehr weise, dieses sei ein natürliches Risiko des Anglers und eine Ausnahmesituation und deshalb kein Mangel. Hätten allerdings die Großforellen schon in den vergangenen Jahren regelmäßig ihrer Laune, verspätet zu wandern, nachgegeben, dann hätte diese Laune im Prospekt vermerkt werden müssen.

Aber dann wäre ja der Angler später gefahren, ohne Risiko, und es wäre nie zum Forellen-Urteil von Frankfurt gekommen. Rainer Schauer