DIE ZEIT

Immer groß

Als ob die CDU im Augenblick keine größeren Sorgen hätte, macht sie sich welche – um die Großschreibung. Und das ausgerechnet in Hessen! Ministerpräsident Wallmann hat beim Bundesinnenminister nachgefragt, ob das Mannheimer Institut für Deutsche Sprache wohl berechtigt sei, Absprachen mit der DDR, der Schweiz und Osterreich zu treffen.

Warum der rechte Rand ausfranst

Sind wir bereits auf dem Weg in eine andere Republik? Erst Berlin, dann Frankfurt – vielleicht werden sich auch bei den kommenden Wahlgängen, schließlich gar bei der nächsten Bundestagswahl die Rechtsextremisten in den Volksvertretungen festsetzen.

Am dünnen Faden

Zwiespältigkeit kennzeichnet die deutschdeutschen Beziehungen. Einerseits haben die Bundesminister Haussmann und Schneider Besuche in der DDR wegen der letzten blutigen Vorfälle an der Mauer demonstrativ abgesagt.

Gnadenlos

Im Memmminger Landgericht wird weiterverhandelt, auch wenn der Prozeß gegen den Arzt Horst Theissen, der Frauen zur Abtreibung verholfen hat, spätestens seit Montag geplatzt sein müßte.

Gnädig

Bundespräsident Richard von Weizsäcker hat mit seinem Gnadenerweis für die einstige Terroristin Angelika Speitel dem Bild des demokratischen Rechtsstaates Tiefe gegeben: Dieser Staat straft, aber er übt keine Rache, auch dort nicht, wo das Verbrechen durchaus gegen ihn selbst gerichtet war.

Worte der Woche

„Die zivilisierte Welt regt sich zu Recht über den Mordbefehl Chomeinis gegen den Schriftsteller Salman Rushdie auf – der Schießbefehl der DDR an der innerdeutschen Grenze ist ebenso unmoralisch und verwerflich wie diese Anordnung.

Zeitspiegel

Wenn es um Spenden geht, lassen sich die Bundesbürger nicht lumpen. Bei den privaten Zuwendungen für Unicef, das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Kinder in aller Welt, steht das deutsche Komitee mit 16 Milliarden Dollar im Jahr an erster Stelle.

Quittung für die Union

Das Ergebnis der Kommunalwahl in Frankfurt ist dem Ergebnis der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus sehr ähnlich: Die CDU hat in Frankfurt (-13 Prozentpunkte) wie in Berlin (-8.

Versöhnen in einer schwierigen Stadt

Am Tag danach will Volker Hauff eigentlich bei einer Anti-NPD-Kundgebung vor dem Römer sprechen. Dort stehen rund 8000 Frankfurter im Nieselregen beisammen, ein Meer aus roten und blauen Gewerkschaftsfahnen und eine emphatische Wiedereinübung in den Antifaschismus, die denn doch ziemlich überzogen wirkt.

Der beschädigte Konservatismus

Wo die Schatten der Geschichte beiseite geschoben werden, stellen sich der Union Fragen nach den Prinzipien und der Moral

Wolfgang Ebert: Wir sind alle Sünder

Nach Frankfurt müssen wir uns alle an die eigene Brust schlagen. Wenn wir nämlich eines nicht mehr allzu fernen Tages diese Regierung zu Grabe tragen müssen, dann haben wir alle unser Scherflein dazu beigetragen.

Weltmacht im Wartestand: Was will Bush?

Das Lob der Langsamkeit haben die dynamischen Amerikaner noch nie gesungen, und sie werden sich auch von George Bush nicht zur Eile mit Weile bekehren lassen.

Französische Kommunalwahlen: Ende einer Union

Das Bund Lauch kostet fünf, das Kilo Lachs 95 Franc, die Handzettel der Parteien gibt es am Vortag der französischen Gemeindewahlen umsonst auf dem Marktplatz von Orly.

Sturm über Tibet

Die chinesische Besatzungsmacht schlägt den Aufruhr mit Brachialgewalt nieder

Nachlese: Wind von rechts

Der „Super-Wahlsonntag“, an dem Kärntner, Tiroler und Salzburger zur Urne gingen, wurde für die großen Parteien zum Desaster: Die Sozialistische Partei (SPÖ) erzielte das schlechteste Ergebnis nach 1945.

Nachruf: Freund der Deutschen

Inserviendo consumor – Bismarcks Devise hätte auch auf John J. McCloy gepaßt: Im Dienste verzehr’ ich mich. Seinem Lande hat der Amerikaner auf vielerlei Posten gedient: im Kriegsministerium, als US-Hochkommissar in Deutschland, als Weltbankpräsident, Chairman der Ford-Stiftung, Chef der Chase Manhattan Bank, Präsident des Council on Foreign Relations oder des American Council on Germany.

Bonner Bühne: Die alte Platte

Helmut Kohl ist nicht zu beneiden. Seine Auftritte nach Wahlsonntagen werden zum traurigen Ritual. Die alte Platte wird immer noch abgespielt: Die Koalition werde ihre gute Arbeit fortsetzen, nach 16 Jahren Parteivorsitz mit so viel auf und ab habe er sich große Gelassenheit erworben, die Union habe alle Chancen, die nächste Bundestagswahl zu gewinnen.

Weltbühne: Schleier des Zweifels

Die Königswinter-Konferenzen der Deutsch-Englischen Gesellschaft darf man getrost als Hochämter der anglo-germanischen Freundschaft der Nachkriegszeit bezeichnen.

Da kommt ja keiner hin!

Aus der Zwergschule in die Raubritterburg – ein Streit um Heinrich Lübkes Orden

Streit nach dem Streik

Am Morgen danach gab sich Peter Klemm, Pressesprecher des Bundesverbandes Druck, ganz cool: "Gruner+Jahr ist eines von 6000 Mitgliedern.

Kommando zur Wende?

War das der Durchbruch? Ende voriger Woche hielt der amerikanische Finanzminister Nicolas Brady vor einem privaten Auditorium in Washington eine mit Spannung erwartete Rede.

Patentanmeldungen: Beunruhigend

Es geschah mehr am Rande der Cebit-Messe in Hannover, inzwischen eine der wichtigsten internationalen High-Tech-Industriemessen, die es gibt.

Bonner Kulisse

Die Dreiteilung der Post in je ein Unternehmen für den traditionellen Sektor mit Briefen und Paketen, den Gelddienst und das Fernmeldewesen führt beispielsweise dazu, daß bei der für das Fernmeldewesen zuständigen Postfirma Telekom ein achtköpfiger Vorstand eingerichtet wird als Ersatz für die gegenwärtigen zwei Abteilungsleiter.

Umweltpolitik: Begrenzt grün

Die internationalen Konferenzen jagen sich. Längst können Spitzenpolitiker und gar Regierungschefs mit Umweltthemen, einst als Steckenpferd grün angehauchter Hinterbänkler belächelt, auf internationalem Parkett Staat machen.

Was sonst noch beschlossen wurde

Der freie Samstag für die Beschäftigten der Druckindustrie war der letzte und wohl schwierigste Knackpunkt in den Manteltarifverhandlungen, die sich seit Mitte Dezember vergangenen Jahres hinzogen.

Energiepolitik: Ein anrüchiger Bund

Durch ihn wird Großtechnologie selbst für eingefleischte Ökologen wieder akzeptabel. Er findet Zustimmung quer durch alle Parteien.

Stalins Atem im Rücken

In den vergangenen dreißig Jahren haben die polnischen Kommunisten schon oft versucht, die Volkswirtschaft zu reformieren. Gezwungen wurden sie dazu durch die sinkende Produktivität und wachsenden Unmut in der Bevölkerung.

Verbraucherschutz: Im wilden Westen

Abends beginnt ein reges Treiben auf den Straßen und Wegen des Durchgangslagers Unna-Massen in der Nähe von Dortmund. Die Beamten in den weitverzweigten Verwaltungsgebäuden sind nach Hause gegangen, die schier endlosen Schlangen der Aussiedler vor den Schaltern von Meldestellen, Sozial- und Arbeitsamt haben sich aufgelöst.

Auf Sand gebaut

Eine der erfreulichsten wirtschaftlichen Entwicklungen in den achtziger Jahren schien lange Zeit der Wohnungsmarkt zu bieten.

Markt-Report: Kurse ohne klaren Trend

Von dem Elan, mit dem die deutschen Aktienbörsen in das neue Jahr gegangen sind, ist nichts übriggeblieben. Die Kursbilanz der ersten sechs Wochen ist sogar leicht negativ.

LÄNDER IM VERGLEICH

Der Schuldenberg, den die Länder der Dritten Welt angehäuft haben, ist im vergangenen Jahr um fünfzig Milliarden Dollar weitergewachsen.

MANAGER UND MÄRKTE

Die Situation ist prekär. Bernd Otto, der in seiner ehemaligen Funktion als Vorstandsvorsitzender die Frankfurter Handelsgruppe co op heruntergewirtschaftet hat und in Südafrika Unterschlupf fand, ist immer noch Mitglied des Verwaltungsrates der Deutschen Genossenschaftsbank (DG Bank).

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