In der Sowjetunion fehlen alle historischen Voraussetzungen für eine effiziente Ökonomie

Von Christian Schmidt-Häuer

In der zweiten Hälfte der siebziger Jahre begann das Wirtschaftswachstum der Sowjetunion dramatisch nachzulassen. Behörden und Branchenministerien waren nicht länger imstande, Qualität und Quantität der Produktion durch die Kontrolle der Betriebe zu steigern. Um Erfolge zu erzwingen, bauten sie ständig neue Fabriken, statt die alten zu modernisieren. In immer teureren Anlagen wurde immer weniger produziert. Das gescheiterte Krisenmanagement zwang zur schockartigen Erkenntnis: Das sowjetische Plansystem dient nur der Zentralisierung der Mittel, für die Integration der Volkswirtschaft bewirkt es nichts.

Der Schock schuf den Reformdruck für die Perestrojka. Sie hat einen gewaltigen Schub an Einsichten gebracht, aber vorerst keine verbesserten Aussichten. Die Weltmacht baut ab: Sie reduziert ihre Renommier-Projekte und sucht Rat im Westen. Wirklich helfen können sich die Reformer indessen nur selbst: Wenn sie sich von den Fesseln des zentralen Planungssystems lösen. Diese Fesseln weisen acht Knoten auf, die den Reformkurs auf Dauer zum Absterben verurteilen.

Der erste Knoten: Die Wirtschaftspläne stützen weiterhin das Kommandosystem und dienen nicht dazu, alternative Entscheidungen durchzurechnen.

Der Plan ist weiterhin Gesetz – und die "Gesetzgeber" sind ausgenommen vom Gesetz. Die Planer – die Staatliche Plankommission (Gosplan), die Ministerien, die Staatskomitees – haben also immer recht, obwohl ihre Rechnungen auf völlig falschen Grundlagen beruhen. Die Planung geht "vom erreichten Stand" aus – folglich weiten sich alle einmal eingetretenen Disproportionen in der Volkswirtschaft unaufhörlich aus.

Der Minsker Ökonom N. Satschko in Sozialistitscheskaja industrija: "In den vergangenen fünfzehn Jahren betrug der überhöhte Verbrauch aller materiellen Ressourcen (einschließlich Geld und Arbeit) über 400 Milliarden Rubel... das sind vierzehn Millionen Menschenjahre Arbeit. In dieser Periode haben wir Produkte im Umfang von fast 570 Milliarden Rubel hergestellt, die unsere Gesellschaft nicht nutzen konnte."