Von dem Elan, mit dem die deutschen Aktienbörsen in das neue Jahr gegangen sind, ist nichts übriggeblieben. Die Kursbilanz der ersten sechs Wochen ist sogar leicht negativ. Das liegt nicht an der allgemeinwirtschaftlichen Entwicklung. Denn sie gibt zu Klagen keinen Anlaß: Von den Unternehmen werden überwiegend steigende Umsätze und auch höhere Gewinne gemeldet. Selbst für 1990 wird noch einmal mit einem Anstieg der Erträge gerechnet. Überschattet wurden diese positiven Grundvoraussetzungen für höhere Kurse durch steigende Zinsen und auch durch das Unbehagen über die innenpolitische Entwicklung in der Bundesrepublik.

Für langfristige Anlagestrategien sind derzeit weder die Ausländer noch die inländischen institutionellen Anleger zu haben. Ihr Ziel ist es, kurzfristig entstandene Kursgewinne zu realisieren. Dabei geben sich die Börsianer mit relativ bescheidenen Margen zufrieden. Das Resultat sind sogenannte Schaukelbörsen ohne klare Tendenz.

Immerhin gibt es dabei gewisse Präferenzen. Zu den in jüngster Zeit bevorzugten Papieren zählen VW-Aktien, die auch aus dem Ausland gesucht werden. Die Wolfsburger Absatzergebnisse in den ersten beiden Monaten dieses Jahres sowie die Notwendigkeit von Sonderschichten haben ebenso angeregt wie die Gerüchte über eine Verbindung zwischen dem Volkswagenwerk und Jaguar.

Immer wieder Interesse finden die Aktien der ehemaligen Stahlkonzerne, die heute längst so weit diversifiziert haben, daß der Stahlumsatz keine entscheidende Rolle mehr spielt. Gleichwohl trägt er gegenwärtig zu einem wesentlichen Teil zur Ertragslage der Unternehmen bei, deren Aktien trotz stattgefundener Kursverdoppelungen noch immer Reserven zu besitzen scheinen.

Auf dem Weg nach oben befindet sich auch Feldmühle Nobel. Bis zum vorjährigen Spitzenkurs ist es allerdings noch ein weiter Weg. Dabei muß jedoch berücksichtigt werden, daß der Spitzenkurs von 273 Mark 1988 zustande gekommen war im Zusammenhang mit Spekulationen über ein angebliches Übernahmeangebot der beiden Flick-Neffen, Friedrich Christian Flick und Gert-Rudolf Flick. Als daraus nichts wurde, gab es einen empfindlichen, aber verständlichen Rückschlag. Heute ist gelegentlich wieder von Aufkäufen die Rede. Doch der gegenwärtige Feldmühle-Kurs läßt sich auch wirtschaftlich rechtfertigen.

Dies gilt noch mehr für die Veba-Aktie, die nach der angekündigten Dividendenerhöhung auch international mehr Interesse findet. K.W.