Die Situation ist prekär. Bernd Otto, der in seiner ehemaligen Funktion als Vorstandsvorsitzender die Frankfurter Handelsgruppe co op heruntergewirtschaftet hat und in Südafrika Unterschlupf fand, ist immer noch Mitglied des Verwaltungsrates der Deutschen Genossenschaftsbank (DG Bank). In dieses Aufsichtsgremium ist er am 5. Juni 1985 gewählt worden als Vertreter der deutschen Konsumgenossenschaften. Sein Mandat läuft erst im Sommer 1990 aus. Doch vor allem für DG-Bank-Chef Helmut Guthardt ist das inakzeptabel. Denn seine Bank gehört zu jenen sechs Geldhäusern, die die Interessen der co op-Gläubigerbanken abstimmen sollen.

Spätestens zum 30. Mai muß ein Otto-Nachfolger gefunden sein. Dann nämlich treffen sich die Anteilseigner der DG Bank in Frankfurt zur Hauptversammlung und könnten das neue Verwaltungsratsmitglied wählen.

Doch erst einmal müßte Otto sein Mandat niederlegen. Von einem an die Victoria Road 5 in Kapstadt adressierten Brief erhoffen sich die Verbandsfunktionäre des Bundes der Deutschen Konsumgenossenschaften (BDK) allerdings wenig. Otto würde ihn sich an die Wand hängen, vermutet man, aber nicht beantworten. Deshalb möchte Verbandspräsident Alfred Bußmann das Problem auf anderem Wege lösen. In Kürze trifft er die jetzigen co op-Vorstände und will mit ihnen eine mögliche Abberufung Ottos aus dem Verwaltungsrat diskutieren.

Nach dem Gesetz über die DG Bank wird ein Verwaltungsratsmitglied von den Kapitalbeteiligten, in dem Fall den Konsumgenossenschaften, „vorgeschlagen und von der Hauptversammlung gewählt“. Nun ist die co op an der DG Bank mit 1,3 Millionen Mark beteiligt, der BDK nur mit 35 000 Mark. Allerdings hat das Frankfurter Handelshaus mit den Konsumgenossenschaften mittlerweile nichts mehr gemein. Eigentümer der hochverschuldeten co op sind ausländische Banken. Daraus ergibt sich für Bußmanns Gespräch in Frankfurt weiterer Diskussionsstoff. Die co op-Beteiligung an der DG Bank sollte herüberwandern zu den Konsumgenossenschaften. BDK-Präsident Bußmann vertritt die Interessen von 45 Konsumgenossenschaften. Deshalb spricht vieles dafür, daß er auch die Otto-Nachfolge im Verwaltungsrat der DG Bank antreten wird.

Der Preis von 200 Millionen Mark, zu dem die Deutsche Babcock AG der Ruhrkohle-Tochter Steag Rauchgasentschwefelungsanlagen für vier Steinkohle-Kraftwerke anbot, galt in der Branche als ein sehr spitz gerechnetes Angebot. Die Konkurrenten stiegen aus und sehen nun mit einiger Häme, daß sich die Babcock gründlich verrechnet hat. Denn „der Unternehmenskreis Deutsche Babcock Anlagen“ so heißt es im Geschäftsbericht für 1987/88, „mußte durch unvorhergesehene Mehrkosten im Geschäftsbereich Gasreinigung einen größeren Verlust ausweisen“.

Es handelt sich um rund sechzig Millionen Mark. Das ist ein dicker Brocken für einen Konzern, der bei gut fünf Milliarden Mark Umsatz knapp einhundert Millionen Mark als .Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit“ ausweist. Babcock-Chef Helmut Wiehn gestand freimütig ein, daß es sich um einen „Auftrag zu knappen Preisen“ gehandelt habe, machte aber vor allem Terminnöte, die durch Umplanungen entstanden, für den Verlust verantwortlich. So bastelte die Babcock noch an den Steag-Anlagen herum, als andere Kunden gleichzeitig auf Fertigstellung ihrer Anlagen drängten, weil der Gesetzgeber die Entschwefelung bis spätestens zum 1. Juli 1988 vorgeschrieben hatte. Die Kosten liefen der Babcock davon, und einziger Trost ist wohl, daß das Unternehmen an der inzwischen nahezu abgeschlossenen Entschwefelungsaktion der deutschen Kraftwerke mit einem stolzen Viertd beteiligt war.

Wie es scheint, hat Renate Thyssen-Henne, die Münchner Unternehmerin und Eigentümerin der österreichischen Wienerwald-Gruppe, die Lust an ihrer Gastronomiekette mit rund sechzig Lokalen und Autobahnraststätten verloren. Hans Mayr, der Finanzstadtrat der Stadt Wien bestätigt, daß es Verkaufsverhandlungen zwischen Frau Thyssen-Henne und der Wiener Holding Ges.mbH zur Übernahme der Restaurantkette gebe. Die Wiener Holding ist ein Konzern im Besitz der Stadt Wien, zu der insgesamt mehr als dreißig Firmen gehören, die vom Baubereich bis zur Gastronomie reichen. Frau Thyssen, die den Wienerwald erst vor wenigen Jahren übernahm, bestreitet indes ihre Verkaufsabsichten. Sie bezeichnet die Nachrichten aus Wien als gegenstandslos, das seien „Gerüchte, die dem Unternehmen schaden sollen“.