Die Traumkarriere eines karpato-ukrainischen Bauernjungen in England

Von Rudolf Walter Leonhardt

Robert Maxwell gegenüberzusitzen, das ist lustiger, weniger lästig, als ich es mir vorgestellt hatte. Ich hatte Schlimmes gehört. Niemand in der Branche scheint ihn zu mögen. "Wie ist es denn, hier zu arbeiten?" fragte ich einige Angestellte. Quersumme der Antworten: "Hektisch."

Er residiert ganz oben, oben im Mirror-Gebäude am Holborne Circus, das nie einen Architektur-Preis gewinnen wird, nahe dem Rande der City von London, näher der einst legendären Fleet Street als die anderen seiner Mitbewerber um die Zaren-Krone der Kommunikations-Kaste. Fleet Street ist der noch immer als Klischee gebrauchte Name jener Zeitungsstraße, in der es keine große Zeitung mehr gibt. Nichts in London hat sich in den letzten Jahren so sehr verändert wie die Medien-Landschaft. Und dabei hat Robert Maxwell kräftig mitgeholfen.

Man begegnet vielen Menschen auf dem langwierigen Weg zu ihm. Zuerst Peter und Judy aus seinem Pressebüro, die man nach etwa dreißig Telephongesprächen, über vier Wochen verteilt, beinahe wie alte Freunde kennt. Beim Betreten des Gebäudes empfängt einen der unvermeidliche Sicherheitsdienst. Man wird abgeholt und im Fahrstuhl nach oben gebracht. Alles wie anderswo auch. Aber oben empfängt einen ein freundlicher, dezent dunkel gekleideter Mensch, führt einen in einen kleinen Salon, nimmt einem den Mantel ab und fragt "Was möchten Sie trinken?". Der schon von Berufs wegen zu Neugier verpflichtete Besucher stellt sich vor und darf dann ja fragen: "Wer sind Sie, bitte?" "Mr. Maxwell’s butler." So was müssen wir uns in der ZEIT noch zulegen. Es beeindruckt ungemein.

Und verkürzt die Wartezeit. Endlich auf dem Wege zum Zimmer des Herrschers, bewundert man im Vorzimmer zwei Sekretärinnen, von denen eine auf drei Telephonen gleichzeitig spricht. Man .begegnet auch Peter Jay, Maxwells Chef des Stabes gewissermaßen. Früher war er einmal britischer Botschafter in Washington. Nach all diesem macht das Chef-Zimmer eher einen bescheidenen Eindruck, "zwei Achsen", wie man bei uns sagen würde.

Der Mann hinter dem Schreibtisch wirkt mächtig, geballte Energie; 1,85 m groß, mehr als zwei Zentner schwer, wie man nachlesen kann. Über einem vollen, noch jugendlich und gar nicht überarbeitet erscheinenden Gesicht (und der schläft nur vier Stunden, heißt es) ein mächtiger Schopf fast schwarzer Haare, ohne eine graue Strähne. Der Mann wird am 10. Juni 66.