Sport zu treiben ist heutzutage ein Gesellschaftsmerkmal, das viele in der Form eines übelbeleumundeten, zähneknirschenden Tieres auf Brust oder Busen tragen. „Treiben Sie Sport?“, die Frage wird gelegentlich bei Anstellungsgesprächen schon in jener Form gestellt, in der ein bayerischer Ministerpräsident einmal einen Zwischenrufer prüfte: „Haben Sie Abitur?“

Die Medien verbreiten ein geglättetes, unzutreffendes Bild vom Sport und vergessen darüber gänzlich, daß der Mensch auch spielen könnte. Sonntagsredner werden nicht müde, Sport unter den Gesichtspunkten von Pädagogik, Volksgesundheit und Sozialhygiene zu bereden, als seien dies die Hauptprodukte dieser schönen Sache. Sogar Boris Becker empfand sich beiläufig als Vorbild einer Generation, was wieder das Neue Deutschland nicht wahrhaben wollte, womit also doch etwas dran sein könnte.

Wenn die Jünger der Lehre vom Gesundleben zum schweißtreibenden Tun schreiten, zum Strampeln auf einem stillstehenden Fahrrad, zu Jagden über zerklüftete Wege, zur Schufterei mit der Hantel, dann rufen sie eigentlich nicht mehr zum Sport, schon gar nicht zum Spiel, sondern zur Arbeit.

Wer in der Trimm-Bewegung den spielenden Menschen sucht, ist gänzlich auf dem Holzweg. Die Verursacher dieses Trends – wenn es denn je einer war – haben schon auf semantischem Sektor Bedenkenlosigkeit an den Tag gelegt. Ein Schiff wird getrimmt. Okay. Ein Hund wird getrimmt. Hm. Aber ich mich?

Das Spiel bleibt da überall auf der Strecke. Gewiß mag sich beim Gesundheitssport so mancher in Leibesfülle stehende Herr an frühere Jahre erinnert fühlen. Wo er bislang nur klammheimlich gegen die Blechdose trat, da sprießt nun vielleicht der liebe alte Spieltrieb wieder in ihm auf. Schön wär’s, und der Spielspaß hätte den Mann wieder am Wickel. Doch rührt sich das verschüttete Pflänzlein nicht, so haftet dem auf Gesundheit erpichten Sportler etwas rührend Bemühtes an, es ist eben nicht mehr das alte Spiel, sondern Pflicht, die ihn treibt; Dienst an Kreislauf und Verdauung.

Spiel ist nur, was einer gern tut, freiwillig, spontan, nicht nach Termin- oder Stundenplan. Sport ist weiterentwickelt: Zwar liegen ihm die Regeln des Spiels zugrunde, aber er ist nicht mehr allein Selbstzweck.

Vor eineinhalb Jahrtausenden suchte der philosophierende Kriegsherr Theoderich der Große nach dem tieferen Sinn des Spieltriebes: „Es gilt dem Vaterland, wenn wir auch nur zu spielen scheinen ...“