Von Reinhold Rombach

Erfreuliches teilte die Degab – Deutsche Gesellschaft für Anlageberatung – jüngst der Presse mit. In ihrer Gesamtschau für den heimischen Aktienmarkt bescheinigte die Deutsche-Bank-Tochter den hiesigen Dividendentiteln gute Kurschancen. Aufgrund eines „sehr positiven Geschaftsklimas, der hohen Kapazitätsauslastung, dem anhaltend hohen Auftragseingang aus dem In- und Ausland sowie wegen der lebhaften Investitionstätigkeit“ befänden sich deutsche Aktien in einer „unverändert gunstigen“ Position.

Eigenartig ist dabei nur, daß der deutsche Aktienmarkt diese optimistische Einschätzung – bislang wenigstens – überhaupt nicht honorierte, ganz im Gegenteil. Verunsichert durch anhaltende Inflationsängste und eine restriktive Geldpolitik der Bundesbank mieden viele Anleger den heimischen Aktienmarkt und stiegen lieber auf festverzinsliche Wertpapiere um.

Wie schwierig es ist, derzeit auf dem deutschen Aktienmarkt eine gute Figur zu machen, zeigt sich innerhalb des ZEIT-Börsenspiels besonders am Beispiel der Frankfurter Sparkasse. Wertpapierchef Bernhard Kluge konnte sich der Mißstimmung an den deutschen Börsen nicht entziehen und mußte mit seinem rein auf heimische Aktien ausgerichteten Wertpapierdepot die im Vormonat erzielten Buchgewinne wieder hergeben. Er rechnet aber mit einer baldigen Erholung und ist zuversichtlich, sein auf rund 98 000 Mark verringertes Startkapital in Kürze wieder zu vermehren. Durch den Verkauf seiner AAA-Aktien Anfang Februar stellte er immerhin einen Gewinn von gut 2200 Mark sicher, der zusammen mit dem freigewordenen Kapital in Linotype-Aktien investiert wurde.

Der Produzent von Photosatzmaschinen gab soeben bekannt, daß der Ertrag im abgelaufenen Geschäftsjahr um zwanzig Prozent anstieg, was aller Voraussicht nach eine Erhöhung der Dividende nach sich ziehen durfte. Auch beim Auftragseingang wartet Linotype mit eindrucksvollen Zahlen auf, denn der Bestelleingang erhöhte sich weltweit um nahezu dreißig Prozent.

Die momentane Lustlosigkeit bei Aktieninvestments ist beileibe keine rein deutsche Angelegenheit, sondern grassiert an fast allen internationalen Börsenplätzen. Auch mit der zu Jahresbeginn getroffenen Aktienauswahl von mehreren europaischen Börsenplätzen hatte die DG Bank bislang wenig Fortune. Vom Startkapital ist nach zwei Monaten ein doch schon gehöriger Anteil von 6408 Mark als Buchverlust zu vermerken – eine gewiß nicht sehr erfreuliche und vermutlich auch nicht erwartete Entwicklung des Depots. Dennoch möchte sich Hans-Joachim Stemann, Geschäftsführer der DG Capital Management vorläufig noch nicht für den Verkauf einer seiner Werte entscheiden. Die Argumente, die seinerzeit zum Kauf gefuhrt hatten, so Stemann, wurden nach wie vor noch ihre Gültigkeit besitzen, und daher bliebe auch alles beim alten. Bei der spanischen Amper sei durch ein Joint-venture mit dem US-Elektronik-Unternehmen Motorola sogar ein weiterer positiver Aspekt hinzugekommen.

Der italienische Versicherungskonzern Generali hat keine Mehrheitsgesellschafter, was nach Stemanns Meinung das Unternehmen für Übernahmeversuche anfällig macht, und daher wäre es falsch, die Aktie nicht weiter zu halten. Die Frage ist bloß, ob sich Übernahmegeruchte, die sich seit Monaten hartnackig halten, wirklich jemals bewahrheiten oder ob nicht interessierte Kreise bewußt solche Meldungen lancieren. Vor einem halben Jahr kursierte zum Beispiel in Finanzkreisen die Information, die Japaner waren an Generali stark interessiert. Da sich diese Meldung bis heute nicht bewahrheitete, ist dieses Ondit wohl unter der Rubrik „Börsianer-Latein“ abzuheften. Der aktuelle Kurs von Generali signalisiert jedenfalls mit einem Minus von knapp sieben Prozent auf die damalige Einstiegsbasis, daß an den Gerüchten vorerst nichts dran zu sein scheint.