Geburtstag haben kann jeder: Berlin und Bonn, Tante Helene und Bruder Uwe. Nur Hamburg, das hat nicht irgendeinen, sondern das hat seinen Hafengeburtstag. Das Datum ist zwar umstritten, aber jedes Jahr im Mai feiert man: ein paar bedeutende Herren aus dem Rathaus und den Kontoren für Im und zu versammeln sich bei Reden und Essen; die Masse Mensch bricht derweil mit Kind und Kegel zu den Landungsbrücken auf zum Besichtigen der Schiffe, die zwecks Gratulation in den Hafen eingelaufen sind.

In diesem Jahr nun ist alles ganz anders: der Hamburger Hafen wird 800 Jahre alt. Große Plakate, auf denen die Stadtkulisse auf einen der (nicht mehr vorhandenen) Luxusliner gehievt ist, künden auch anderswo von diesem spektakulären Ereignis. Die Lagerhäuser übrigens, dies nur für Nicht-Hamburger, die auf diesem Puppenstubenpanorama zu sehen sind, stehen in der sogenannten Speicherstadt im Freihafen, die der Senat an Bauhaie und Boutiquenbetreiber verhökern möchte, um die desolate Finanzlage der Stadt etwas zu verbessern.

A propos: so ein Hafengeburtstag will ja aber nicht nur plakatiert sondern auch finanziert und organisiert sein. Die Wirtschaftsbehörde, die für den Festverlauf verantwortlich zeichnet, betraute den Architekten und Sportveranstalter Heinz Brenner damit, bei vaterländisch gesinnten Hamburgern 20 Millionen Mark des 48-Millionen-Budgets einzutreiben. Herr Brenner, der sich in Hamburg einen Namen gemacht hat durch die Zerstörung des guten alten "Club an der Alster", auf dessen Gelände mitten in der Stadt er einen Betonpilz für zwei jährliche Tennisturnierwochen errichten ließ, scheint aber nicht der Mann zu sein, dem man gern sein Geld überläßt: Er konnte nur die Hälfte der Summe einkassieren. Weshalb man jetzt, nach der Zeit der großen Ankündigungen, gut einen Moant vor Festbeginn in das Stadium der großen Absagen eingetreten ist.

Ganz verschwunden vom Geburtstagsprogramm ist eine Freiwasser-Inszenierung des "Fliegenden Holländer", die als Opernspektakel an den Landungsbrücken angekündigt war. Im trüben Wasser der schönen Binnenalster verschwunden ist das "Störtebeker-Epos", "ein Seeräuberleben in 12 Bildern". Trockengefallen ist auch ein Naßprojekt namens "Alsterklang", bei dem acht auf der Binnenalster schwimmende Lautsprecherteppiche den Wasserklang reproduzieren sollten. Fast verschwunden vom Programm wäre die Ausstellung der Hamburger Kunsthalle "Europa 1789 – Aufklärung, Verklärung, Verfall". Wegen einer Ausfallbürgschaft von 250 000 Mark, deren Bestätigung durch die Kulturbehörde auf sich warten ließ, wollte Kunsthallendirektor Werner Hofmann die Sache abblasen. Aber da wachte die Behörde auf und die Hamburger Spielbank spendierte die Summe. Um den Auftritt zittert auch noch das "Theater der Nationen", dem ebenfalls 250 000 Mark fehlen.

Berichten wir nun endlich von dem, was wirklich und garantiert doch stattfinden wird. Zum Beispiel in der bildenden Kunst. Eine Gruppe von Frauen bemalt unter Anleitung von ehemaligen Studentinnen der Fachhochschule eine Fassade mit Frauen-Bildern aus dem Hafenleben (230 000 Mark). Kinder werden auf Fußgängerwegen der Innenstadt "das längste Pflasterbild der Welt" malen. Und ein (Berliner) Maler namens Roland Stewirken, bisher gelang es ihm, im Verborgenen zu wirken, illustriert auf einer 4000 Quadratmeter großen Dockwand 288 laufende Meter Hafengeschichte (1,2 Millionen Mark).

Nachrichten aus der Provinz? Da seien nicht nur die deutschen Schützen vor, die vom 27. bis 29.4. ihre 38. Jahrestagung in Hamburg abhalten und die wackeren Altvorderen, die sich am 19.9. auf dem "Senioren-Tanzfest" im Foxtrott wiegen, sondern vor allem jene 800 Radfahrer aus Osterreich, die nach elf Strampeltagen am 27.7. am Rathaus erwartet werden, wo sie die Glückwünsche der gesamten österreichischen Radfahrer kommen, gen. Gut, daß sie nicht erst im August kommen, wo die zum jährlichen "Alstervergnügen" gehörenden Fritten-, Currywurst-, Bier- und Weinbuden den Rathausplatz besetzen und zu so einer Müllhalde werden lassen, daß allenfalls die Meister des Stelzensports sich dort noch vorwärtsbewegen können. Petra Kipphoff