Von Heinz Josef Herbort

Bundespräsident mußte man sein. Oder; wir müßten mehrere haben. Denn Richard von Weizsäcker ist – zusammen mit UNICEF, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, dessen Deutsches Komitee wiederum die Schirmfrauschaft der Gattin des Präsidenten genießt – nach so vielem weiß Gott Wichtigeren auch gelungen, was alle vorherigen Initiativen erfolglos versuchten: Carlos Kleiber, den Primuomo der deutschen Dirigenten unterhalb der Pensionsgrenze (und deren Primadonna zugleich), mit dem Berliner Philharmonischen Orchester zusammenzubringen, das an seinen guten Tagen ja denn doch mit Abstand (neben ihren Wiener Kollegen, Verzeihung) künstlerisch wichtigste, effektivste, die wahren Maßstäbe setzende Ensemble dieses Kontinents.

Alle, die Philharmoniker und ihr Publikum, der scheue Star und seine Gemeinde, die Verwalter wie die Auguren des Musikbetriebes und die eher nur auf Sensationelles spitzen Kolumnisten, wußten oder ahnten doch zumindest, daß dieses ein künstlerisches Gipfeltreffen sui generis werden müsse. Warum indes und woran die Pläne bisher stets scheiterten – mal sollen es die Noten gewesen sein, die nicht genehme Edition, mal die Anzahl der geforderten und nicht zugestandenen-Proben, irgendwann, heißt es, war das Klima nicht angemessen, und dann wieder hatte es sowieso überhaupt keinen Sinn –: Eigentlich waren es immer nur lapidare Vorwände, vorgeschobene Gründe, die kaschieren mußten, daß offenbar ein hochsensibler Musiker sich vor dem vielleicht größten Schritt seiner Karriere ängstigte.

Weber, Mozart, Brahms

Nun also doch, für ein Benefizkonzert des Bundespräsidenten zugunsten von UNICEF. Die ersten Vorerkundigungen in „für gewöhnlich gut informierten Kreisen“: bei den Proben sei es hervorragend gelaufen, die (ja auch nicht unkomplizierten) Philharmoniker hätten einmütig, engagiert und mit großer Begeisterung gearbeitet, der Sohn eines berühmten Vaters habe sich von dem in dieser Stadt offenbar immer noch übermächtigen Schatten des Erich Kleiber frei gemacht und so weiter und so weiter.

Kein Risiko, sondern ein richtig „deutsches“ Philharmonisches Programm: Webers „Freischütz“-Ouvertüre, Mozarts „Linzer“ und Brahms’ zweite Sinfonie. Was natürlich auch bedeutet, daß sich das Ereignis sofort qualitativ „einordnet“: Hic rhodos, hic salta.

Die erste Überraschung: Carlos Kleiber läßt das Orchester in einer Formation sitzen, wie sie Ende des 19. Jahrhunderts üblich war – erste Violinen links, zweite Violinen rechts vorn, die Celli schräg links, die Bratschen schräg rechts; dazu, nach Wiener Vorbild, die Kontrabässe dem Dirigenten gegenüber hinter dem ganzen Orchester.