Der „Super-Wahlsonntag“, an dem Kärntner, Tiroler und Salzburger zur Urne gingen, wurde für die großen Parteien zum Desaster: Die Sozialistische Partei (SPÖ) erzielte das schlechteste Ergebnis nach 1945. Noch tiefer fiel die Österreichische Volkspartei (ÖVP); die Wähler erteilten den Konservativen in allen drei Bundesländern empfindliche Abfuhren. Der Salzburger Landeshauptmann (Regierungschef) Wilfried Haslauer trat als Landesvorsitzender zurück, nachdem seine Partei die absolute Mehrheit verloren hatte.

Die Grünen schnitten respektabel ab, doch die klaren Punktsieger waren die Freiheitlichen. Unter der Führung des jungdynamischen Rechtsauslegers Jörg Haider konnte die FPÖ enorme Gewinne verbuchen, in Kärnten wurde sie mit 29 Prozent der Stimmen hinter den Sozialisten sogar zweitstärkste Partei.

Haider erhebt nach seinem Triumph Anspruch auf das Amt des Landeshauptmannes, die ÖVP liebäugelt mit einer Koalition. Eine solche Allianz könnte freilich die Vernunftehe in Wien zerrütten, denn auf Bundesebene regieren Sozialisten und Konservative gemeinsam. Schon fordern verärgerte ÖVP-Funktionäre den Rücktritt ihres Parteichefs Alois Mock, der neuerdings „Bruchpilot“ geschimpft wird.

In Salzburg, Tirol und Kärnten ist nach den jüngsten Wahlen das traditionelle Kräftegleichgewicht ins Wanken geraten: Vor allem die Skandale, in die die Großparteien verstrickt sind, der Filz, der sie unbeweglich macht, haben negativ zu Buche geschlagen. Der Populist Haider verstand es, Volkes Stimmung geschickt zu nutzen und sich als „Saubermann der Nation“ zu profilieren. Das blaue Fähnlein der FPÖ als Menetekel: Auch im Nachbarland wachsen den Rechten in beunruhigendem Tempo Stimmen zu. ill