Es war eine bayerisch-charmante, südlich-lockere, intime Feier, mit der der Staatsrat Theodor Eschenburg, während zwanzig Jahren wichtigster Exponent im Präsidium des Goethe-Instituts, in der vorigen Woche in München verabschiedet wurde. Es begann mit Musik. Händel wurde gespielt, aber nicht von einem feierlich gekleideten Quartett, sondern von der „Biermosl Blosn“, die in einer Ecke am Fenster standen und aussahen, als kämen sie grad vom Berg. Ihre höchst witzige Instrumentalisierung: Trompete, Ziehharmonika und Posaune. Im Saal des Künstlerhauses war das intellektuelle Establishment Münchens versammelt, sowie verschiedene zugereiste Bonner Honoratioren. Klaus Bismarck, Präsident jener 150 Institute in aller Welt, sprach warmherzig und liebevoll, Frau Adam-Schwaetzer in Vertretung für Genscher – der sich, wie kein Außenminister vor ihm, um das Goethe-Institut gekümmert hat – hielt eine vorzügliche Rede. Und dann kam der Jubilar. Fünfundachtzigjährig, ein wenig schlurfend der Schritt, aber immer noch groß und hager von Gestalt, scharf an Intellekt und spitz die Zunge. Alles wie eh und je. Ohne das Mikrophon zu beachten – als einziger freisprechend – ging er versonnen auf und ab und philosophierte über die Zeit, die er „bei Goethe“ verbracht hat, abzüglich der Stunden, die dem Konferenzschlaf gewidmet waren, den er meisterhaft beherrscht. Schon bei Homer sei diese Kunst hoch geachtet gewesen; auch von anderen Beispielen wußte er zu berichten. Witz, untermalt von der Wehmut des Scheidens – es war eine dem großen alten Mann sehr angemessene Veranstaltung. Dff.