Arme Kinder

Wenn es um Spenden geht, lassen sich die Bundesbürger nicht lumpen. Bei den privaten Zuwendungen für Unicef, das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Kinder in aller Welt, steht das deutsche Komitee mit 16 Milliarden Dollar im Jahr an erster Stelle. Die Bundesregierung hält sich dagegen vornehm zurück. Sie liegt mit einem Betrag von 16 Millionen Dollar – also einem Tausendstel der privaten Spendensumme – abgeschlagen auf Platz elf auf der Rangliste der Geberländer. Dabei können schon vergleichsweise bescheidene Summen Millionen von Säuglingen retten: Ein umfassender Impfschutz kostet pro Kind höchstens 15 Dollar. Für den Preis eines einzigen jener neuen Panzerabwehrhubschrauber, deren Bau die Hardthöhe plant, könnten eine halbe Million Kinder vor Diphterie, Keuchhusten, Tetanus, Masern, Polio und Tuberkulose bewahrt werden.

Gefährliche Pläne

Ein gigantischer Damm führt Umweltschützer in der Volksrepublik China zu neuen Ufern: „Aufgrund ihres Gewissens, nicht auf der Grundlage von Anweisungen der staatsgelenkten Presse“ protestieren Journalisten und Ingenieure in einem Buch gegen Pekinger Pläne, den Yangtze in Zentralchina zu stauen und der Welt größtes Wasserkraftwerk zu errichten. Der drittlängste Strom der Erde soll ausgerechnet dort aus seinem natürlichen Bett geworfen werden, wo die berühmten „Drei Schluchten“ seit Jahrhunderten ein bizarres Motiv für Maler und Dichter abgeben. Die Anlage zwischen den mächtigen Felsen soll Strom für die Industrie von Chongqing produzieren, wo heute die Maschinen wegen Energiemangel bis zu zwanzig Prozent der Arbeitszeit stillstehen. Das Mammutprojekt, das Haus und Hof von etwa einer Million Menschen unter Wasser setzen würde, könnte nicht nur durch Proteststürme erschüttert werden – das Buch der Kritiker warnt, daß der Staudamm in einem Erdbebengebiet liegen würde.

Uneitler Wortkünstler

Benjamin Henrichs, Theaterkritiker der ZEIT, ist mit dem Österreichischen Staatspreis für Kulturpublizistik 1988 ausgezeichnet worden. Der Preisträger, heißt es in der Begründung, „gibt inmitten der erschreckenden sprachlichen Verkümmerung und Verwilderung in unseren Medien mit seinen Beiträgen ein Beispiel für Sinnhaftigkeit, präzise Anschaulichkeit und Qualität des geschriebenen Wortes“. Henrichs sei „das, was es seit Polgar, Friedell, Torberg in der österreichischen Publizistik nicht mehr gibt, was aber diese Publizistik als Beispiel und Maßstab dringend brauchte: ein uneitler Wortkünstler“. Mit Henrichs wird Erika Weinzierl, Historikerin an der Universität Wien, geehrt. Die österreichische Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Sport wird die Preise am 31. März in Wien überreichen.