Zu den besonders arg gebeutelten Opfern des Börsenkrachs gehörten 1987 die Besitzer von Schweizer Partizipationsscheinen, deren Kurse damals zum Teil um über fünfzig Prozent an Wert verloren. Nach diesem Desaster war es um diesen Wertpapiertyp ruhig geworden. Doch seit Anfang des Jahres hat sich der Handel mit Partizipationsscheinen deutlich belebt.

Partizipationsscheine sind eine Spielart des Schweizer Kapitalmarktes und lassen sich am ehesten mit deutschen Vorzugsaktien vergleichen. Sie ermöglichen dem Besitzer eine Beteiligung am Unternehmen, jedoch erhält er kein Stimmrecht und darf an Hauptversammlungen nicht teilnehmen. Dafür kann er mit einer höheren Rendite rechnen.

Die meisten Schweizer Aktiengesellschaften haben Partizipationsscheine ausgegeben. Das hängt eng mit der tiefverwurzelten Angst dieser Unternehmen vor Überfremdung zusammen.

Die Eidgenossen waren bisher fest davon überzeugt, daß die Schweiz als kleines Land seine recht mächtige Wirtschaft stärker als andere Industrienationen vor ausländischem Einfluß schützen müsse. Bereits seit der großen Krise in den dreißiger Jahren bleibt ein wesentlicher Teil der Schweizer Aktien ausschließlich Inländern vorbehalten (Namensaktien), während die für Ausländer zugänglichen Aktien (Inhaberaktien) kontingentiert sind. Um dennoch ausreichend ausländisches Geld in die Unternehmen zu bekommen, erfand man in den sechziger Jahren den stimmrechtslosen Partizipationsschein. Mit ihm wurde inzwischen ein Kapitalvolumen von 25 Billionen Schweizer Franken gebunden, das sind über 29 Billionen Mark.

Die Aufteilung der Aktien in zwei Kategorien führte zu der irrwitzigen Situation, daß die im Ausland handelbaren Inhaberaktien trotz gleicher Dividenden und Stimmrechte zu wesentlich höheren Kursen notiert werden als die auf den Schweizer Markt beschränkten Namensaktien. Dieses Aufgeld für Inhaberaktien erreichte nicht selten mehr als hundert Prozent. Die Kurse der Partizipationsscheine hingegen pendelten sich zwischen denen der beiden Aktientypen ein. Der niedrigere Nominalwert der Partizipationsscheine läßt diese auf dem Kurszettel jedoch wesentlich preiswerter erscheinen als Aktien. Während für eine einzige Schweizer Inhaberaktie manchmal eine fünfstellige Summe bezahlt werden muß, ist ein Partizipationsschein oft schon für ein paar hundert Mark zu haben. Partizipationsscheine gelten deshalb auch als Aktien des kleinen Mannes. Institutionelle Investoren, wie Fondsgesellschaften oder Versicherungen, haben viele Partizipationsscheine bisher stiefmütterlich behandelt. Doch das könnte sich ändern, wenn jetzt Bewegung in den Markt für Partizipationsscheine kommt.

Dafür sorgen derzeit Gerüchte, wonach große Gesellschaften ihre Partizipationsscheine zu einem guten Kurs zurückkaufen werden. In vielen Firmen wächst nämlich die Unzufriedenheit über diese Scheine, die als unzeitgemäß gelten. Einige Unternehmen, etwa die EMS Chemie AG, haben sich schon dazu bereit erklärt, ihre Partizipationsscheine zurückzukaufen, wenn andere Gesellschaften mitziehen. Es wird davon ausgegangen, daß die Angebote für einen Rückkauf oder auch einen Umtausch in Aktien recht attraktiv ausfallen müßten, damit das vom Schweizer Markt sowieso schon irritierte internationale Publikum nicht noch mehr verärgert wird.

Anfang Januar hieß es an der Zürcher Börse, der Nahrungsmittelmulti Nestlé wolle seine Partizipationsscheine in Aktien umtauschen. Und tatsächlich wurde vom Konzern bestätigt, daß in absehbarer Zeit eine Entscheidung über die künftige Bedeutung der Partizipationsscheine fallen soll. Erst im vergangenen November hatte Nestlé die Börsen mit der Entscheidung überrascht, seine Namensaktien auch ausländischen Käufern zu öffnen. Der Kurs der Inhaberaktie sackte daraufhin in kurzer Zeit um über zwanzig Prozent nach unten, während der Kurs der Namensaktie um bis zu vierzig Prozent in die Höhe schnellte. Auch der Nestle-Partizipationsschein mußte Einbußen hinnehmen, konnte sich aber wieder erholen.