Lauschangriff verraten – verurteilt wegen Strafvereitelung

Köln

Fünfzehn Monate hatte Maria Lichtenhagen auf ihr Verfahren warten müssen. Entnervt von der Anklage, zermürbt vom Gedanken an den ungewissen Ausgang war sie vor Beginn des Prozesses fast am Ende. Eine zentnerschwere Last fiel dann von ihr, als sie endlich vor Gericht stand.

Aber dann verurteilte das Kölner Landgericht die 40jährige Altenbetreuerin letzte Woche wegen versuchter Strafvereitelung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung. Maria Lichtenhagen soll die Journalistin Ingrid Strobl, die wegen des Verdachts auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung angeklagt ist, vor einer Strafverfolgung gewarnt haben.

Mit einem harmlosen Telephonanruf hatte alles angefangen (ZEIT Nr. 11/88). Maria Lichtenhagen schnappte bei einem Telephonat mit ihrem Freund, einem Beamten im politischen Kommissariat der Kölner Polizei, einige Gesprächsfetzen im Hintergrund auf. Von der Emma-Redaktion, Video-Aufnahmen und Telephonüberwachung sei die Rede gewesen, auch der Name Ingrid sei gefallen. Schließlich hätten die Polizisten noch von „Scheiß-Emanzen“ gesprochen. „Da habe ich gedacht, die wollen der Emma-Redaktion eins auswischen.“

Maria Lichtenhagen informierte die Journalistinnen über das Telephonat. Auch wollte sie eine Ingrid warnen. Die Emma-Redaktion machte von der Warnung ein Telephonprotokoll, eine Notiz mit „recht flapsigen Formulierungen“, wie die Protokollantin („Da würde ich nie einen Eid draufschwören“) vor Gericht bezeugte. Eine Kopie des „lockeren Gedächtnisprotokolls“ ging an die ehemalige Emma-Redakteurin Ingrid Strobl. Als diese dann verhaftet wurde, fand das BKA das Protokoll. Vier Tage später wurde auch Maria Lichtenhagen festgenommen. Die Gesprächsnotiz diente der Staatsanwaltschaft fortan als Hauptbeweisstück gegen die Altenbetreuerin.

Vor Gericht bekannte sich Maria Lichtenhagen zu ihrem Anruf in der Emma-Redaktion. „Aber ich habe nie vorgehabt, irgend jemanden zu warnen, der eine Straftat begangen hat.“ Daß sie Ingrid Strobl informieren wollte, stritt sie ab. Den Namen Strobl „habe ich erst von der Emma-Redaktion erfahren“. Sie habe an eine andere Ingrid, an eine zufällige Kneipenbekanntschaft gedacht. Denn diese habe einmal erwähnt, daß sie für das Frauenmagazin schreibe.