Bei den Präsidentschafts wählen in El Salvador hat der Kandidat der Rechten, Alfredo Cristiani, gewonnen. Nach Zählung seiner Alianza Republicana Nacionalista (Arena) errang er mit gut 54 Prozent die absolute Mehrheit. Cristiani kann damit am 1. Juni den Christdemokraten Napoleon Duarte ablösen. Ob er freilich die Mehrheit aller Salvadorianer hinter sich hat, ist zweifelhaft: Die Wahlbeteiligung lag unter 50 Prozent.

Nach dem Willen der linken Guerilla hätte der Urnengang überhaupt nicht stattfinden sollen. Die „Befreiungsfront Farabündo Martí“ hatte einen Verkehrsstreik ausgerufen; in vielen von ihr beherrschten Orten blieben die Wahllokale geschlossen. Am Wahl-Sonntag wurden Feuergefechte, Mord- und Sprengstoff-Anschläge gemeldet. Drei Journalisten kamen ums Leben; für zwei Opfer ist die Armee verantwortlich.

Der 41jährige Arena-Kandidat Cristiani, ein Unternehmer und Multimillionär, verfügt auch im Parlament über eine Mehrheit. Zwar will er Gespräche mit der Guerilla führen, aber die Drahtzieher seiner ultrarechten Partei setzen eher auf Konfrontation und Verschärfung des seit neun Jahren dauernden Bürgerkriegs. Daß die Christdemokraten trotz massiver Geld- und Militärhilfe aus den Vereinigten Staaten keinen Frieden schaffen konnten, kostete ihren Kandidaten Chavez Mena den Sieg.

Die Zeichen stehen vorerst also auf Krieg. Und deshalb zählen die Vereinigten Staaten mit zu den Verlierern; sie hatten auf die verhandlungsbereiten Christdemokraten gesetzt. Der Guerilla kommt der Arena-Sieg in einem Punkt gelegen: Unterstützt Washington nun die Arena, sieht sie ihre Propaganda bestätigt, es handele sich in El Salvador nicht um einen Bürgerkrieg, sondern um normalen Krieg „geringer Intensität“. bi