Was ist ein Filetstück? Auf dem Teller das Brüstchen einer Ente oder ein Stück vom schmalen langen Muskel, der unterm Rückenmuskel des Rindes wächst: zart. Manchen Leuten läuft das Wasser im Munde zusammen, so vergessen sie Geiz und Gier und vertrauen dem Meister in der Küche.

Was ist ein Filetstück in der Stadt? Ein besonders feines, deshalb teures Grundstück in bester Lage. Manchen Bauherren läuft auch hier das Wasser im Munde zusammen, vor allem wenn es ihnen überlassen wird: zum Bebauen. So stellen sie Geiz und Eile hintan, fügen sich artig einem Wettbewerb und vertrauen den Meistern im Architekturbüro.

Etwa so geschah es in Hamburg. Das Filetstück liegt am Alsterglacis, links der Dammtorbahnhof, rechts die Alster, fein garniert mit drei, vier alten Stadtpalais’ und der prächtigsten Gründerzeitvilla weit und breit. Nun gibt es aber Leute, zum Beispiel im Vorstand der Versicherung Hanse-Merkur, die wollen das Filetstück nicht genießen, die wollen bloß fressen.

Und das ging so. Die Architekten entwarfen ein schönes Gebäude, wie vorgeschrieben nicht höher als fünf Stock, mit einer Glashalle im Block, zwei anmutigen Gärten und Alsterblick – der Denkmalpfleger stimmte jubelnd zu. Dann fiel der Versicherung ein, sie brauche sechs Geschosse – der Denkmalpfleger stimmte zähneknirschend zu. Die Gier nahm zu, auf einmal sind es sieben Geschosse und obendrein zwei Querriegel, quer durch die Glashalle, quer über die Gärten, in den Bauherrenköpfen nicht Kultur, nur Quadratmeter – der Denkmalpfleger lehnte ab, sein Kultursenator ebenso.

Jedoch rührte dessen Kollegen der Stadtbildskandal viel weniger als das Geld, das, scheinbar, auf dem Spiele stand. Vorige Woche machte der Senat vor Hanse-Merkur einen tiefen Bückling, dem Denkmalpfleger trat er in den Hintern. Nämlich, die feinen Herrschaften von der Versicherung hatten gedroht: entweder laßt Ihr uns, oder wir ziehen weg von Hamburg.

Obwohl das, wie meistens, gelogen ist, funktionierte die Erpressung wunderbar. Bleibt! bettelte der Senat. Lieber einen Baukunstschänder als keinen solchen Steuerzahler. Und Arbeitsplatzbesorger! Der Pfeffersack und der Barbar, die lieben sich gar wunderbar.

Aber nein: Jagt sie zum Teufel! Oder wenigstens nach Pinneberg. Finis