Das Urteil des Bundesgerichtshofes zur Buchungspraxis der Kreditinstitute zeigt weitreichende Wirkung. Die Dresdner Bank, das zweitgrößte Geldhaus in der Bundesrepublik, geht vom 1. April an dazu über, eingehende Beträge den Konten ihrer Privatkundschaft sofort gutzuschreiben und Auszahlungen unverzüglich zu belasten. Das gilt für den baren wie bargeldlosen Zahlungsverkehr. Gleichzeitig erhöht die Bank die Preise für die Kontoführung. Zwar bleibt es bei der monatlichen Grundgebühr von 2,75 Mark, aber pro Buchung werden künftig sechzig statt bislang fünfzig Pfennig verlangt.

Die Karlsruher Richter entschieden Mitte Januar nur, daß Bareinzahlungen sofort gutgeschrieben werden müssen, wodurch Banken und Sparkassen ein Zinsvorteil genommen wurde, den die meisten Institute lange Zeit als Ertrag im Zahlungsverkehr trefflich zu nutzen wußten. Damit ist es nun vorbei. Allerdings ist die oft als Zinsschinderei apostrophierte Wertstellungspraxis der meisten Geldhäuser noch nicht aus der Welt.

In den meisten Häusern werden Schecks und Überweisungen immer noch nicht sofort gutgeschrieben. Viele Kreditinstitute verfügen dadurch länger als technisch nötig über das Geld der Kundschaft und können es zum eigenen Nutzen zinsbringend am Geldmarkt anlegen. Die Dresdner Bank verzichtet auf diese zusätzliche Einnahmequelle, die mit jährlich rund zwanzig Millionen Mark beziffert wird. Den Ausfall tragen die Kunden jetzt teilweise mit. Der von Verbraucherschützern immer wieder geforderten Transparenz bei den Konditionen kommt die Regelung entgegen. Nach den Oster-Feiertagen rechnet man auch bei der Deutschen Bank mit einer Entscheidung darüber, was sich an der Praxis und vor allem an den Preisen im Privatkundengeschäft ändern wird. Bei der Commerzbank, der kleinsten der drei Großbanken, bleibt es bei der im vergangenen Jahr auf fünf Mark erhöhten monatlichen Kontoführungspauschalen. Nur Barzahlungen werden taggleich gebucht.

Für Spareinlagen zahlt die Berliner Bank höhere Zinsen als bisher. Einlagen mit gesetzlicher und vereinbarter Kündigungsfrist bringen vom 1. April an einen halben Prozentpunkt mehr. Die neuen Zinssätze betragen dann 2,5 Prozent bei gesetzlicher Kündigungsfrist, 2,75 Prozent bei sechsmonatiger, 3 Prozent bei einjähriger, 3,25 Prozent bei zweijähriger und 4,25 Prozent bei vierjähriger Kündigungsfrist. kah