Der hohe Gast wirft seinen Schatten schon voraus. Genauer: seine Schatten – die den Gestalten ähneln, welche sich in Krimis hinter Vorhängen abzuzeichnen pflegen. Wenn Michail Gorbatschow am 12. Juni nach Bonn kommt, wird Vollalarm herrschen, Sicherheitsstufe eins für „höchstgefährdete Personen“. Bei seinem Transport in die abgeschotteten Staatsgebäude, mittels Hubschrauber und gepanzertem Auto, ergeben sich daraus keine besonderen Schwierigkeiten. Aber auch die Stadt Bonn möchte den großen Mann empfangen, zur Eintragung ins Goldene Buch im Rathaus mitten in der City – und da gibt es, zumal es dort eng und winklig ist, durchaus Probleme. Mehr noch: Die Stadtväter möchten obendrein, daß dem Besucher auch Bürger zuwinken können, vom Marktplatz aus, gleich vor dem Sitz des Oberbürgermeisters.

Schon jetzt stehen der Sicherheit deshalb Sorgenfalten und Schweißperlen auf der Stirn. In den Lokalgazetten tobt ein heftiger Streit, zwischen Stadt und Polizei wird hart verhandelt, und die Debatte gebiert merkwürdige Begriffe. Nicht nur von einer „begrenzten“ oder „organisierten“ Öffentlichkeit ist die Rede, sondern auch von einer „Eierwurfgrenze“. Dieses Wort bezeichnet genau jene Distanz, aus welcher der türkische Staatspräsident einmal von einem Ei getroffen wurde – das natürlich auch eine Eierhandgranate hätte sein können. Dieser Abstand soll auf jeden Fall eingehalten werden, selbst wenn sich die so abgedrängten Neugierigen vorher einer Leibesvisitation zu unterziehen hätten.

Doch wer will da schon richten oder sich mokieren? Die Verhältnisse, sie sind eben so, und die Sorgen der Polizei spiegeln sie nur wider.

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Rasch einen Seitenblick auf eine Bonner Nachbarstadt, aus aktuellem Anlaß, und zwar wegen dieser Türken.

In Köln hat sich am Mittwoch der vegangenen Woche Galatasaray Istanbul im Europacup-Spiel gegen den französischen Fußballmeister AS Monaco mit 1:1 behaupten können, ein großer Erfolg, direkt oder indirekt unterstützt von 60 000 aus ganz Europa angereisten Türken. Da hat es allerhand Krawall gegeben. In türkischen Restaurants stießen die Fans und deutsche Gäste auf den Einzug ins Halbfinale an, auch ohne Alkohol, auf den Straßen kam es zu überschwenglichen Gratulationen, und bis zum frühen Morgen rollte durch die Innenstadt ein laut hupender rot-gelber Autokorso. Aus dem Polizeibericht: keine Zwischenfälle und keine Beschwerden von den Anwohnern.

Überhaupt soll ja nun Osterfrieden herrschen, und warum die Bundesbonner ihn zu genießen gedenken, dazu eine kleine Illustration, willkürlich ausgewählt, nämlich auch mit dem Mittwoch der vergangenen Woche als Stichtag.