„Frequenz Mord“ von Elisabeth Rappeneau

Jeanne Quester, Psychologin (Catherine Deneuve), ist schön, selbständig, erfolgreich. Wenn sie am Tage ihren Patienten gegenübersitzt, kann sie nichts aus der Fassung bringen. Und des Nachts, auf Welle 96, hat sie für alle hilfesuchenden Anrufer ein aufmunterndes Wort. Doch plötzlich eine krächzende Stimme: „Jeanne, Jeanny, hörst du mich?“ Mit einem Mal wird Jeannes Leben zu einem Alptraum. Seltsame Dinge geschehen. Der Papagei der Tochter liegt tot auf ihrem Bett. Das Gefühl, ständig verfolgt zu werden, beschleicht sie. „Jeanne, Jeanny, hörst du mich?“ Die Stimme ruft Erinnerungen wach: Vor 25 Jahren hatte Jeanne mitbekommen, wie ihre Eltern ermordet wurden. Ihr Bruder, Kriminaloberinspektor (André Dussollier), hält sie für hysterisch und hilft ihr nur widerwillig. Doch: „Jeanne, Jeanny, hörst du mich?“ Wenn die Stimme über den Äther ertönt, ist das Unheil nicht weit. Jeanne begibt sich auf Spurensuche und mit ihr der Zuschauer, der sich in einem Hitchcock-Film in modernem Ambiente wähnt. Nicht nur die Spannung erinnert an Hitchcock, auch die Glaubwürdigkeit der Geschichte und das allmähliche Bröckeln der Alltagsfassade. – Und der Täter? Manchmal glauben wir ihn zu erahnen. Gewißheit aber bekommen wir erst, als sie wieder ertönt – ein letztes Mal – die Stimme: „Jeanne, Jeanny...“ Anne Frederiksen

„Tequila Sunrise“ von Robert Towne

Zwei Freunde: ein Gangster und ein Polizist, Mel Gibson und Kurt Russell, und zwischen ihnen eine Frau (Michelle Pfeiffer). Der eine handelt mit Drogen, der andere fahndet danach. Beide suchen den Erfolg, im Job wie in der Liebe. Doch für beide am wichtigsten: ihre Freundschaft. Und die Frau, hin- und hergerissen, sieht nur eine einzige Chance: ihren eigenen Gefühlen treu zu bleiben. „Tequila Sunrise“ ist auch ein spätes Remake von “Un Flic“, dem zärtlich-kalten Polizeifilm des unvergeßlichen Jean-Pierre Melville. In „Tequila Sunrise“ sind Handlung und Konflikt keine Strippen, an denen Marionetten tanzen, sondern Anlaß, von Menschen und ihren Gefühlen zu erzählen; von ihren Hoffnungen, Sehnsüchten, Träumen; von ihren Schwierigkeiten – und den kleinen Gesten der Freunde, die helfen, alles wenigsten ein bißchen im Griff zu halten. Dem Chaos in der Welt kann, so der Film, nur begegnen, wer sich auf etwas völlig verlassen kann, das außerhalb seiner selbst liegt.

„Tequila Sunrise“, written and directed by Robert Towne. Wovon der Film bis in viele Details kündet. Towne, in den siebziger Jahren einer der großen Drehbuchautoren Hollywoods: ein Trouble-shooter allererster Güte. Ihn rief man, wenn es irgendwo nicht weiterging, und immer fand er seine Lösung, für „The Godfather“, für „Chinatown“, für „Yakuza“, zuletzt noch für „Frantic“. Sein wichtigstes Rezept erkennt man auch in „Tequila Sunrise“ wieder: Trotz aller undurchsichtigen Verwicklungen und komplizierten Wendungen im Geschehen, seine Figuren stets mit einfachen, aber mythischen Merkmalen auszustatten. Wodurch sein Film, wie immer, an den Kern der ältesten Geschichten rührt. Was bewegt die Welt, warum rollt der Stein? Norbert Grob

„Crazy love“ von Dominique Deruddere

Vollmond, ein romantisches Kinofinale: Ein kleiner Zuschauer glüht für die Prinzessin und starrt ergriffen auf das Zeichen „Ende“. Harry Fos ist zwölf Jahre alt und hat gerade sein Erwachen als Voyeur erlebt. Die Welt der Filme und Empfindungen füttert ihn mit falschen Vorstellungen. Er bleibt der unerlöste Prinz der Poesie, der sein Triebziel bei jeder Gelegenheit verfehlt. Erst aus Ungeschick, dann aus Häßlichkeit, schließlich aus Frevelei. Als wieder Vollmond ist und der Held des Zögerns 33 Jahre alt, nimmt er mit einer schwarzen Messe Abschied von der Liebe und vom ungeliebten Belgien.