Unglaublich, aber wahr: Es soll immer noch Fluggäste geben, die ihren Flieger danach auswählen, wie preiswert er sie zu möglichst günstigen Zeiten und auf möglichst direktem Wege von A nach B fliegt. Lauter tumbe Ignoranten, diese.

Wer etwas auf sich hält, weiß längst, daß es heute ganz andere, wesentlichere Kriterien gibt, nach denen man seinen Carrier in die große, weite Welt aussuchen sollte. Beispielsweise das Bouquet-Verhalten der im jeweiligen Flugzeug kredenzten Tafelweine im Steigflug und in 12 000 Metern Reiseflughöhe. Oder den individuellen Computer-Service einzelner Airlines mit der Erfassung persönlicher Stammkundendaten wie Lieblingsdrinks und bevorzugtes Fünf-Gänge-Menü.

Kein Zweifel – Gaumen und Mägen werden zu einer immer heißer umkämpften Zielgruppe im internationalen Touristikgeschäft. Mag daheim auch ernährungsmäßige Selbstkasteiung angesagt sein, auf Reisen ist, mehr denn je, weltmännisches Savoir vivre en vogue. Die Wegweiser zu den Top-Gourmettempeln von Paris über San Francisco bis Singapur und zur exquisitesten In-Taverne auf Mykonos oder am Strand von Surabaya gibt’s zuhauf am Zeitschriftenkiosk.

Woran es bislang mangelte, waren entsprechende Lebenshilfen für eine bescheidene Minderheit, die jedoch auf ihre pittoreske, unkonventionelle Art gleichsam das Salz in der Suppe der weithin genormten, in vorgegebene Bahnen gepreßten Reisewelt ausmacht. Gemeint sind die globetrottenden Rucksacktouristen und Abenteuerurlauber, die sich abseits der ausgelatschten touristischen Trampelpfade durchs noch unzerstörte Unterholz schlagen. Was, so ist zu fragen, sollte hier „zum Beißen“ im geschulterten Gepäck stecken?

Eine durchaus praktikable, aufs jeweilige Reiseziel individuell zugeschnittene Antwort auf diese Überlebensfrage könnte „Epa“ heißen. Epa ist das gebräuchliche Kürzel für jene Einmannpackungen, die jeder Mann in mehr oder weniger guter Erinnerung hat, der einmal getreulich seine Pflicht als Soldat in der Bundeswehr erfüllt hat. Immer, wenn’s hieß, „ab ins Grüne“ zur Geländeübung, war das Epa mit dabei, samt seinen in Silberfolie verschweißten, berühmt-berüchtigten Hartkeksen, die gern auch „Panzerplatten“ genannt werden.

Andere Länder, andere Epas – in Schweden liegen dem Überlebenspäckchen standardmäßig eine Angelrute und eine kleine Säge bei; der erfahrene Globetrotter wird schon wissen, warum dies auf skandinavischen Entdeckungstouren nachahmenswert ist. Die Vereinigten Staaten wiederum sind so groß, daß sie sich verpflegungsmäßig nicht über einen Kamm scheren lassen. Die US Army empfiehlt Extra-Packs etwa für die Eiswüsten Alaskas; wer mit einem Schiffsuntergang rechnen muß, sollte wasserdicht eingeschweißte Zigarettenpäckchen bei sich führen.

Epa all’italia empfiehlt sich bei Bergtouren in Dolomiten und Abruzzen mit einem Fläschchen Kräuterlikör. Auf Schnaps und Zigaretten setzen auch Frankreichs wackere Streiter, während die neutralen Schweizer mit ein paar Tafeln ihrer vielgerühmten Schokolade ins Manöver auf die Alm ziehen.