Eine touristische Attraktion ist bis zum 21. Mai in Gent zu sehen: das Filmereignis „Cites-Cines“. Die im Floraliapalast gezeigte Ausstellung war bereits in Paris ein großer Erfolg.

Stadt und Film“ lautet das Thema der eindrucksvollen Manifestation. Auf rund 10 000 Quadratmetern erhält der Besucher einen flimmernden Eindruck von den Kinometropolen Paris, Tokio, Rom und Berlin. Das Kinoerlebnis pur vermitteln 17 Stadtlandschaften, in denen 150 Filmfragmente von fünf bis 30 Minuten Dauer gezeigt werden. Berühmte Filme, die den Zeitraum von den zwanziger Jahren bis heute umfassen, sind zu sehen. Sie laufen auf zum Teil haushohen Leinwänden in den Originaldekors der Filmstädte. Über ein Kopftelephon, das jeder Besucher tragen muß, werden Ton und Musik ins Ohr gesteuert. In den Hallen ist es totenstill.

In allen Sälen, auf allen Gassen und Märkten, aber auch in Cafés und winzigen Kammern sieht man Höhepunkte aus den Filmen „La Dolce Vita“, „Roma“, „Metropolis“, „Die Blechtrommel“ oder „Das Testament des Dr. Mabuse“. Der Besucher entdeckt die Filmstadt Cinecittà, aber auch Fritz Langs „Metropolis“ – nachgebaut als gewaltige Maschine, die Rauch bläst, während auf einer hohen Bildwand das fröhliche Berlin der dreißiger Jahre in „Menschen am Sonntag“ oder „Foreign affairs“ mit Marlene Dietrich gezeigt wird. Hinter den Bauten liegt versteckt ein „Berliner Café“, neben den „Dächern von Paris“ und am Kreuzungspunkt der 42nd Street „Diner“, ein amerikanisches Straßencafé, schräg gegenüber ein französisches Bistro aus den Dreißigern.

Bei den Rundgängen, die in dieser Traumstadt den ganzen Tag andauern können, erfährt der Cineast die harte Atmosphäre einer amerikanischen Provinzstadt, erlebt er, wie es in einer Polizeizelle aussieht oder in einem rosaroten Bordellzimmer. Da fehlt weder die verträumte Atmosphäre eines belgischen Dorfplatzes noch die Muffigkeit einer amerikanischen Garage, in der Autos der fünfziger Jahre stehen.

Jene Mischung aus Phantasie und Wirklichkeit, wie sie in den Markthallen des mittelalterlichen Gent zu sehen ist – beängstigend und faszinierend zugleich –, wird für den Erfolg von „Cites-Cines“ verantwortlich gemacht. Der Ansturm ist gewaltig: Bereits am ersten Tag wollten 15 000 Menschen dieses Spektakel erleben. Nach Gent wird die Filmstadt in Montreal, Tokio und Barcelona aufgebaut.

„Cites-Cines“ ist täglich zwischen 11 und 19 oder 21 Uhr zu sehen. Der Eintritt kostet 350 Belgische Franc (etwa 17,50 Mark), Jugendliche und Studenten zahlen 200 Franc. Einen deutschsprachigen Prospekt verschickt das Belgische Verkehrsamt, Berliner Allee 47, 4000 Düsseldorf, Tel. 0211/32 60 08. Siggi Weidemann