Die 1 Volkserhebung in Wien wurde ausgelöst durch wachsende Inflation und Verelendung, den Starrsinn Metternichs und den erstarkenden Nationalismus der gewaltsam im Reich gehaltenen Völker, voran Ungarn und Tschechen.

diesen Worten stirbt der letzte Kommandant der revolutionären Verteidiger Wiens, und so lautet auch der Titel des Buches von Heinz Honies. Es beginnt mit dem ersten Aufstand am 3. März 1848 und endet, ebenso wie die Revolution, am 9. November. Einen Monat später übergibt der geistesschwache Kaiser Ferdinand die Herrschaft an seinen Neffen. Franz Josef, der "gute Kaiser Franz", tritt seine 68jährige Regierung an.

Am 3. März treffen die beiden Hauptfiguren des Buches das erste Mal zusammen: Moritz Michael Kuppelwieser, Sohn einer Reisigsammlerin und eines Tintenverkäufers, fast noch ein Kind mit seinen dreizehn Jahren, und der Redakteur des Zusammenstoß zwischen Soldaten und einer aufgebrachten Menge an der Tabakfabrik läßt der kommandierende Oberst schießen. Moritz springt Sulzer an und reißt ihn zu Boden, so entgehen beide den Kugeln. Von diesem Tag an erleben beide die Revolution gemeinsam. Weniger als Agierende denn als Berichterstatter, wenn sie auch hin und wieder heftig in das Geschehen hineingezogen werden.

Neben diesen und noch einigen anderen erfundenen Figuren tauchen Menschen auf, die tatsächlich gelebt haben. Eine Liste am Ende des Buches trennt die fiktiven von den historischen Figuren. Hilfreich ist auch der Literatur- und Quellennachweis, Ergänzendes nachzulesen.

Zurück zur Revolution. Anfangs gibt es Erfolge: die Pressezensur wird aufgehoben, Metternich wird entlassen, die Hofämter werden in Ministerien umgewandelt. Die Gemäßigten wollen es dabei bewenden lassen. Aber eine Revolution läßt sich nicht einfach stoppen. Die Aprilverfässung wird durchgesetzt, der nächste Aufstand setzt sie außer Kraft und erzwingt einen Reichstag. Der hebt die bäuerlichen Untertanverhältnisse auf. Dann kommt der dritte Aufstand im Oktober, gewalttätiger, blutiger. Die kaiserlichen Truppen hatten Zeit, sich zu formieren, und so wird im November die Revolution unter großen Menschenopfern zu Fall gebracht. Moritz erlebt seine erste Liebe, Sulzer streitet sich mit Kollegen, eine Theateraufführung mit Nestroy findet statt. Und immer wieder die Kämpfe, gesehen von beiden Seiten.

Auf packende Weise lernen Leser geschichtliche Ereignisse näher kennen.

Verlag Breitschopf, Wien Stuttgart; 19 80 Vierzig Jahre Bundesrepublik, da wird es an Rückblicken nicht mangeln. Natürlich werden sie alle den Standort des Verfassers widerspiegeln, seine eigenen Erfahrungen mit den vergangenen 44 Jahren Frieden, ob er diese Republik von ihren Anfängen an erlebt hat oder erst geboren wurde, als sie schon bestand. Anthologien haben da den Vorteil einer größeren Bandbreite, auch eines Regulativs und passen damit gut in ein Deutschland, das im Lauf seiner Nachkriegsjahre den Akzent von "tolerant" auf "ausgewogen" Verlagen hat.