Nun stirbt auch das Sandmännchen, noch eine Figur aus der Fernseh-Steinzeit

Erst starb Hänschen. Krebs! Wer seit 1948 mit Rosenthal riet und rätselte, ist bis heute nicht darüber hinweggekommen und verfolgt befremdet, wie die Nachfolger ihn erfolglos kopieren.

Dann starb Robert. Das Herz! Immerhin: Wir gehen recht in der Annahme, daß es sich das unverwüstliche Rateteam von „Was bin ich?“ nicht nehmen läßt, das Schweinderl-Erbe fortzuführen.

Nun aber ereilt eine andere Figur aus der Steinzeit der Television das harsche Aus eines Programmdirektors. Zum 1. April wird der Norddeutsche Rundfunk die Vorabend-Serie „Das Sandmännchen kommt“ einen stillen Tod sterben lassen. Die Kollegen von dpa, nie verlegen in Sachen Euphemismus, sprechen zwar lediglich davon, das Sandmännchen werde „in Pension geschickt“. Aber ach, wir ahnen es – das Ende ist es, das Ende. Und warum?

Wir schalten zurück. Griesbrei mit Apfelmus, schon im Bademantel. Zähneputzen. Gründlich bitte, Zahn für Zahn. Na los, denn um 18 Uhr 30 schwebt es ein, mal per Hubschrauber, mal mit einer Art Oldtimer, immer aus dem Nirgendwo. Eine Mischung aus Troll und Puck, aus Bergschrat und Wurzelsepp, mal mit Seemannsbart und Fischerhemd, dann wieder bodenständig in Loden und Pfeife. Irgendetwas um die Augen herum erinnert auch an Karlheinz Rummenigge. Nun, liebe Kinder, geht fein acht: Ich hab’ Euch etwas mitgebracht...

Im Sender ist man an zuständiger Stelle hörbar verbittert. Warum muß das Sandmännchen sterben? Tja, da fragen Sie doch mal den Herrn Programmdirektor. Ich meine, die Sendung hat ihr Publikum, das Publikum wartet ja auch drauf, nicht? Wer das sehen soll? Kinder im Vorschulalter natürlich, am besten mit den Eltern. Und zehn bis zwölf Prozent Sehbeteiligung, ist das etwa nichts? Das sind immerhin, ARD-weit hochgerechnet, an die zwei Millionen, die da ins Bett gebracht werden wollen.

Kosten? Kein Thema: Mit 2500 bis 3000 Mark pro Sendeminute gehört das Sandmännchen zu den schmalen Kostgängern. Vor acht Jahren freilich hat der Sender einiges investiert, um die Figur zu liften. Vom Irdischen ins Himmlische – seither trägt der Sandmann einen nachtblauen Sternenmantel.