Von Ruprecht Eser

MAINZ. – „And that’s the way it is“ – So ist das nun mal. Mit dieser gleichermaßen lapidaren wie unumstößlichen Formel hat sich Walter Cronkite tagtäglich in den amerikanischen CBS Evening News verabschiedet, bis er dann 1981 endgültig auf Wiedersehen gesagt und von den Nachrichten Abschied genommen hat. Der Mann ist eine Legende, der Ausspruch ist es mit ihm geblieben.

So ist das nun mal: Der Satz hat sich allerdings auch im amerikanischen Nachrichtenwettbewerb als nur begrenzt haltbar erwiesen. Walter Cronkite stand für die ungesüßten, die „harten“, die emotionslos präsentierten Nachrichten. Seine Glaubwürdigkeit übertraf die amerikanischer Präsidenten, auch das wird sich wohl nicht wiederholen.

Gefolgt sind ihm, der im Moderatorensessel auch nicht gerade arm geworden ist, millionenschwere Männer: Dan Rather bei CBS (er verdient mittlerweile über 3 Millionen Dollar), Peter Jennings bei ABC und Tom Brokaw bei NBC.

Sie, die „Anchormen“, sind das Pfund, mit dem die Networks wuchern. Und in dem großen Netz, mit dem sie fischen, sollen sich Zuschauer wie Werbekunden gleichermaßen wiederfinden. Denn was bei uns bisher unvorstellbar war, das ist in den USA unstrittiger Teil des täglichen Nachrichten–Trommelfeuers: „Unterbrecherwerbung“, die ihre sichtbaren Spuren in der Gestaltung der abendlichen „News Shows“ hinterlassen hat: Da sind Verpackung und Präsentation erst einmal alles, und da hat die Sache, das Ereignis, der Hintergrund längst nicht den gleichen Rang.

Dies muß berücksichtigen, wer die Erfolgsformel für den deutschen Nachrichtenwettbewerb der 90er Jahre in den USA sucht. Daß am amerikanischen Nachrichtenwesen die deutsche Nachrichtenlandschaft genesen könne, erweist sich bei näherer Betrachtung schnell als Irrtum.

Auf eine Faustformel gebracht: Die Beiträge in US-Nachrichtensendungen sind im Schnitt schlechter als bei uns (vor allem, wenn man an die ausführliche, auf Hintergrund und auf Bilder konzentrierte Auslandsberichterstattung in heute-journal und Tagesthemen denkt).