Von Rolf Michaelis

„Die Welt ist ein riesiger Katafalk“

„Kein größeres Gesindel als Schriftsteller“

„Alles ist lächerlich, nur der Tod nicht“

Wie kann einer atmen, wie soll einer leben, wenn doch alles „Unsinn“ ist? Lebenslang war Thomas Bernhard geschockt – und fasziniert – durch die Gleichzeitigkeit von Entstehen und Vergehen, vom Tod im Leben. Schon der erste überlieferte Prosatext des Dreiundzwanzigjährigen, gedruckt im Sommer 1954 in der Zeitschrift Handschreiben der Stifterbibliothek unter dem Titel „Die Landschaft der Mutter“, schlägt dieses Leid-Motiv an: „Henndorf im Salzburgischen ist der abgeschiedene Ort meiner Väter und Mütter. Hier steht noch das Tuffsteinhaus mit einem Garten davor und einem Garten dahinter“ – und die Erinnerung drängt dem jungen Autor die Frage auf: „Wie viele Früchte wurden hinein-, wie viele Särge hinausgetragen?“

„Die Welt ist ein riesiger Katafalk“ – so lesen wir in einem aus Poesie und Prosa, Erzähl-Entwürfen und Lebensmaximen seltsam gemischten Buch, das der siebenundzwanzigjährige Thomas Bernhard 1959 noch vor den Erzählungen und Romanen geschrieben hat, die ihn berühmt gemacht haben, das er aber erst kurz vor seinem Tod, dreißig Jahre später, zur Veröffentlichung frei gegeben hat: „In der Höhe – Rettungsversuch, Unsinn“.

Das Wort „Unsinn“ aus dem Titel erscheint gleich wieder als zweites Wort im Text: „Vaterland, Unsinn“. Und gegen Ende wiederholt der junge Autor: „der Staat, sage ich: der Staat ist ein großer Dreck!“