Im Vorwort zu seinem Bericht schreibt der fiktive Erzähler Josef Scharara, er trage "keine Schuld daran, als der geboren worden zu sein, der ich bin. Ich bin das belanglose, wenn auch nicht zufällige Opfer einer Tragödie. Beide Seiten haben recht, und ich sehe keinen Ausweg Und ganz zum Schluß resümiert er: "Ich bin lediglich ein historischer Irrtum, eine Mißgeburt, auf Selbstzerstörung programmiert "

Die "Bekenntnisse eines guten Arabers", aufgezeichnet von Yoram Kaniuk, fangen pessimistisch an, und sie hören resignativ auf. Dazwischen liegen Bitterkeit, schwarzer Humor, ein wenig Wehleidigkeit und die Personifizierung eines Dramas, das auf den Politik Seiten als der "jüdisch arabische Konflikt" abgehandelt wird.

Das Buch könnte auch "Bekenntnisse eines schlechten Juden" heißen, denn Josef, der Erzähler, ist für die Juden ein Araber, für die Araber ein Jude, je nachdem, mit wem er es zu tun hat oder, genauer: von wem er grade beschuldigt wird, der andere zu sein. Er hat zwei Personalausweise, einen auf den Namen "Josef Rosenzweig" und einen auf den Namen "Josef Scharara". Der jüdische bewahrt ihn nicht davor, auf einer israelischen Polizeiwache verprügelt zu werden, den arabischen benutzt er, "wenn mein Schmerz mich quälte".

Josef Scharara Rosenzweig steht nicht zwischen zwei Welten, er verkörpert beide. Man könnte sagen, er sei das Ergebnis der arabisch jüdischen Symbiose, wenn es so etwas gäbe. Sein Großvater Franz Rosenzweig kam 1936 aus Berlin nach Palästina. 1917 war er schon einmal im Heiligen Land gewesen, als Freiwilliger im kaiserlichen Heer, um mit einer Gruppe deutscher Offiziere die Türken gegen die Briten zu unterstützen. Josefs Vater, der Palästinenser Asuri aus Akko, heiratete Chava, die Tochter von Franz und Käthe Rosenzweig aus Berlin. Chava kämpfte in der jüdischen Untergrundarmee gegen Briten und Araber, während die Brüder ihres Mannes dagegen rebellierten, daß ihnen ihr Land geraubt wurde. Es sprach wenig dafür, daß Josefs Leben einen einfachen Verlauf nehmen würde, mit einer Jüdin als Mutter und einem Araber als Vater hatte er sich die falschen Eltern ausgesucht.

Die "Bekenntnisse eines guten Arabers" sind das zweite Buch von Yoram Kaniuk, das auf deutsch erscheint. 1985 kam bei Klett Cotta "Wilde Heimkehr" heraus, die Geschichte eines Israeli, der nach einem längeren Aufenthalt in den USA heimkommt und sich in einem desperaten Toben mit seinen Eltern, mit Israel, mit der Last, ein Jude zu sein, auseinandersetzt "Wilde Heimkehr" ist auf dem deutschen Buchmarkt beinah untergegangen, nur wenige Rezensenten haben das Buch registriert, der Verkauf war ein Flop. Dies lag zum einen an der Thematik, einer spezifisch israelischen Art von Seelenerkundung, zum zweiten daran, daß Kaniuk trotz respektabler Erfolge in den USA und vielen europäischen Ländern, in Deutschland ein no name war.

Das könnte sich nun, mit den "Bekenntnissen eines guten Arabers", ändern. Zwar ist das Buch keine leichte Lektüre, der Titel, der ein wenig wie "Die Bekenntnisse eines möblierten Herrn" klingt, verspricht mehr trivialen Unterhaltungswert, als der Inhalt einlöst. Aber der Plot, den Kaniuk von Josef Scharara Rosenzweig erzählen läßt, ist aus dem Stoff, aus dem alle guten Geschichten sind — es geht um Menschen, deren Wege sich kreuzen, weil Geschichte nicht gradlinig verläuft.

Der Held ist ein Außenseiter, der gerne dazugehören möchte, um ihn herum sind Deutsche, Juden und Araber gruppiert, und im Hintergrund der Familiensaga findet der Nahostkonflikt statt, eine späte Folge des deutschen Versuchs, Europa judenfrei zu machen. Der Boden der deutschen Geschichte, der für Millionen am Abgrund endete, reicht in der Tat bis an den östlichen Rand des Mittelmeers "Ich trage Akko in mir und Deutschland und Israel und Palästina, und ich bin an all diesen Orten, und bin doch nirgends " sagt Josef Scharara Rosenzweig, während er in Paris sitzt, seine Bekenntnisse niederschreibt und dabei seine Väter verflucht.