Die Sparsamkeit in den Kliniken hat Grenzen

Von Dietrich Hüffler

Der Fortschritt in der Medizin hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren in unvorhersehbarem Umfang beschleunigt und eine große Zahl von neuen und aufwendigen Behandlungsmethoden hervorgebracht, zum Beispiel die Herz- und Gefäßoperationen, die künstliche Niere, den Herzschrittmacher, die Transplantation von Niere, Herz, Leber und Knochenmark. Gleichzeitig sind unsere Krankenkassenbeiträge erheblich gestiegen, und jeder Beitragszahler wird die Bestrebungen der Politiker begrüßen, die Kosten im Gesundheitswesen zu senken oder zumindest nicht steigen zu lassen.

In unserer Gesellschaft gelten Leben und Gesundheit aber als höchstes Gut. Wir versuchen heute, auch einen Achtzigjährigen mit unseren modernen technischen Mitteln am Leben zu erhalten. Ich verurteile dies nicht, fordere aber, daß offen ausgesprochen wird, daß dieses Geld kostet, vor allem in den Krankenhäusern.

Etwa siebzig Prozent der Krankenhauskosten entfallen auf das Personal, rund achtzehn Prozent auf den medizinischen Bedarf, und zwölf Prozent erfordern andere Sachmittel (zum Beispiel Energie, Lebensmittel, Wirtschafts- und Verwaltungsbedarf). Sparsames Wirtschaften ist im zuletzt genannten Bereich am ehesten möglich und wird von einer geschickten Klinikverwaltung auch gehandhabt.

Wie aber sieht es im Bereich des Personals aus, das ja den bei weitem größten Brocken ausmacht? Von den Personalkosten entfällt etwa ein Drittel auf den Pflegedienst, und doch ist diese Gruppe unterbezahlt. Dies beweist unter anderem die große Fluktuation: Von unseren rund 800 Pflegekräften kündigen etwa 150 im Jahr und müssen ersetzt werden. Im Pflegeberuf gibt es zwar tariflich abgesicherte Arbeitszeiten, aber diese können morgens, abends, nachts, sonntags und alltags liegen. Der ständige Wechsel im Tages- und Freizeitrhythmus stellt darüber hinaus eine schwere Belastung dar. Außerdem ist der Pflegedienst bei zunehmend älteren und kranken Patienten schwer, oft ekelerregend und seelisch belastend. Überall ist ein Mangel zumindest an qualifiziertem Pflegepersonal zu spüren. In der Frankfurter Universitätsklinik können deshalb siebzig Betten nicht belegt werden. Nach meiner Auffassung gibt es beim „Pflegenotstand“ nur eine Hilfe: bessere Bezahlung und mehr Stellen.

Lächerliche Investitionsmittel