Nach Lektüre der ersten Seiten läuft der Leser Gefahr, seinen Unmut über Buster mit dem Friseur Samson zu teilen. Buster, der für zwei Kronen täglich Schnee schippt, als Sandwichman auf dem Marktplatz von Brönshöj auf und ab trabt, Sonderschiler ist und seinen Brotgeber allabendlich, vom 7. Dezember bis Weihnachten mit dem Satz nervt: Ja, da ist nun wieder ein Tag Aber spätestens nach den ersten vierzig x Seiten weiß man, wis das für Tage sind, die Buster auf der Suche nach dem geheimen Land lorrendnll, im Gegensatz zu dem geizigen Herrn Samson, durchlebt. Buster macht is sich und den anderen nicht leicht, auch dem Leser nicht, der (zu Recht übrigens) annimmt, daß der pfiffige Buster das große Geheimnis hin und wieder derart zu seinen Gunsten ausnutzt, daß einem der Glauben an lorrendnll auf der Strecke bleibt und man befurchten mufi, von dem Autor hereingelegt worden zu sein. Genau an dieser Stelle aber rückt das geheime Land in den Hintergrund, und auf seltsame Weise werden die Probleme der Kinder zu denen der Erwachsenen und umgekehrt.

Wen wundert es di noch, wenn Buster, der Sonderschüler, seine geliebte Lehrerin rechtzeitig vor der Geburt ihres Kindes ins Krankenhaus schafft, den gleichgültig gewordener alten Larsen mobilisiert und schließlich statt des fehlenden Kindvaters der werdenden Mutter im Kreißsaal die Hand hält. Die uns allen so geläufigen Vorurteile sowohl der Kinder- wie der Erwachsenenwelt gegenüber schwinden dahin. Da wird der Bettnässer Stig Ols zum totalen Glücksschwein erklärt, weil ihm sein Vater, so behauptet Buster, für tausend Kronen und ein halbes Kamel einen Pipi Piepser aus Arabien mitgebracht hat, der bei Stig Ole jetzt nachts unter dessen Piephahn piepst, wenn Stig Ole muß und den Stig Ole für Geld auch mal zeigt. Ronald erzählt nicht ohne Grund dem Vertretungslehrer von einem Onkel, der aus dem Lögstorer Männerchor herausflog und nicht etwa, weil er so schlecht sang, sondern weil die Stimmen der anderen Männer, im Gegensatz zu der des Onkels, wie Blechkanister klangen.

Dazwischen lesen wir immer wieder von den Proben des Krippenspiels, bei dem das Jesuskind erst durch eine Puppe ersetzt, aber nachdem diese bei einem verunglückten Geburtstag kaputt geht, gegen ein Gummikrokodil ausgetauscht wird, schließlich aber auf Veranlassung der Kinder von dem Baby der Lehrerin dargestellt wird, das windellos sichtbar ein Mädchen ist und somit als Jesusknabe die Gemeindemitglieder empört.

Erwachsene benehmen sich wie Kinder, und Kinder benehmen sich wie Erwachsene. Daran mag es liegen, daß dem Leser lorrendnll immer näher rückt, obwohl nie ein Zipfelchen davon zu sehen ist. Das Unwahrscheinliche wird ganz real, und Selbstverständliches ist schwer zu akzeptieren.

Egal ob es Busters Besuch bei seinem alkoholkranken Vater in der Klinik ist oder die Tatsache, daß Buster, als Friseur verkleidet, unerkannt dem gefährlichen Immobilienmakler Kahn die Haare stutzt und dabei die Pläne vernichtet, die lorrendrill in Gefahr bringen, der Leser ist traurig, daß wieder ein Tag vorbei ist. Plötzlich bezweifelt man mit Buster "die natürliche Ordnung". Auch wenn alle anderen nur darauf warten.

Denn "bestimmte Wörter können nämerleben wir nach dem ungewöhnlichen Krippenspiel einen ungewöhnlichen Weihnachtsabend, an dem der staunende Gustav und der wissende Buster endlich des Regenbogens" ist Bjarne Reuter eine beachtliche Kinderliteratur gelungen, die nicht nur Erwachsene und Kinder näher zusammenrückt, sondern mit hinreißender Poesie jungen Menschen zu einer Kritikfähigkeit verhilft, die wir unseren Kindern nur wünschen können.

Bjarne Reuter Das Ende des Regenbogens aus dem Dänischen von Gabriele Haefs; Sauerländer Verlag, Aarau, Frankf, Salzburg; 128 S ; 22 80 DM LUCHS 30 wurde unter vier Titeln ausgewählt. Thema: Von Träumern, Spinnern und Außenseitern.