Die desolate Lage des Handelskonzerns co op, der seit Beginn der sechziger Jahre stets Gewinne in seinen Bilanzen auswies, ohne jedoch solche erwirtschaftet zu haben, ist offenbar nicht allein den Machenschaften des inzwischen gefeuerten Vorstandes zuzuschreiben. Diese kunstvolle Bilanzgestaltung konnte wohl nur gelingen, weil auch einige Herren des Aufsichtsrates und die Wirtschaftsprüfer das falsche Spiel mitmachten. Nach der Übernahme des Handelsriesen durch die Banken und nach einer dramatischen Rettungsaktion von rund 140 Gläubigerbanken wurde das Unternehmen Ende Februar vor dem drohenden Konkurs gerettet.

Nachdem die Frankfurter Staatsanwaltschaft am 15. Februar in der Firmenzentrale, bei Tochtergesellschaften und verbundenen Unternehmen sowie bei fünf ehemaligen Managern Unterlagen eingesammelt hatte, schlugen die Ermittler mit Hilfe von dreißig Beamten des Bundeskriminalamtes in der vergangenen Woche erneut zu. Von Dienstag bis Freitag wurden die Privatwohnungen der beiden Gewerkschaftsvertreter im co op-Aufsichtsrat, Günter Döding und Günter Volkmar, des früheren Vorstandsvorsitzenden der Gewerkschaftsholding BGAG, Alfons Lappas sowie des ehemaligen co op-Aufsichtsratsvorsitzenden, Werner Veigel, durchsucht. Aus den bisherigen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hatten sich Verdachtsmomente ergeben, daß diese Aufsichtsräte an Bilanzfälschungen sowie an Grundstücksverschiebungen mitgewirkt hatten. Ermittelt wurde gleichzeitig auch bei den Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Allgemeine Treuhandgesellschaft (ATH) und GWP Wirtschaftsberatungs- und Treuhandgesellschaft, denen der Vorwurf gemacht wird, sehr wohl die wirtschaftliche Wirklichkeit des Konzerns gekannt und dennoch den Jahresabschlüssen ihr Testat gegeben zu haben.

Bernd Otto, ehemaliger Vorstandschef der co op, hatte stets auf die Mitverantwortung vor allem der Aufsichtsräte hingewiesen – exkulpieren wird ihn das im Zweifel nicht. Zu einer persönlichen Befragung der ehemaligen Vorstände durch die Staatsanwaltschaft ist es bisher noch nicht gekommen. Jochen Schroers, Sprecher der Frankfurter Staatsanwaltschaft: „So weit sind wir noch nicht.“

Die Stuttgarter Landesgirokasse (LG) sorgt immer wieder für Überraschungen. LG-Chef Walther Zügel wird die monatlichen Abrechnungen der vom Allgemeinen Deutschen Automobilclub (ADAC) herausgegebenen Visa-Kreditkarte über sein Institut abwickeln lassen. Dadurch eröffnet sich ihm überregional eine Geschäftsbeziehung zu den Millionen ADAC-Mitgliedern.

Das ruft die Kollegen in den Vorständen anderer Sparkassen auf den Plan. Sie befürchten Geschäftseinbußen. Zügel könnte ja, so heißt es immer wieder, die neuen Adressen nutzen und für Produkte seines Hauses werben.

Vorsichtiger formuliert es Helmut Geiger, der Präsident des Sparkassen und Giroverbandes: Es sei problematisch, „daß die LG Stuttgart Geschäftsbeziehungen zu Kunden außerhalb der Region aufbaut“.

Die Problematik liegt im Sparkassengesetz begründet, das die öffentlich-rechtlichen Institute auf ihre jeweilige Region verpflichtet. Geiger hat schon „mehrere Briefe an Herrn Zügel geschrieben“. Doch der bleibt dabei: Er verstoße nicht gegen das Regionalprinzip, weil sein Haus vertragsgemäß nur die Abrechnung machen, nicht aber werben und akquirieren dürfe. Sollte er es doch machen, wovon manch einer ausgeht, so ist nach den Worten eines bayerischen Sparkassenvorstandes eines klar: „Der fliegt aus“ – und zwar aus dem Sparkassenverband. Wenn die zweitgrößte deutsche Sparkasse ausgeschlossen wird, meint ein anderer, könnte das die Organisation spalter.