Zeichnungen mit schwarzen Kreiden haben, wenn sie Qualität zeigen, oft etwas Bedrohliches, meine ich. Die Technik des ernsten dunklen Stiftes bietet sich also an für die stumme Geschichte vom Ei.

Wolkenkratzerhoch steht es eines Tages in der Weite einer imaginären Landschaft, wird bestaunt — von einigen wenigen — dann vereinnahmt. Es wird zur Touristen Attraktion, wird besteigbar, konsumierbar gemacht, mit Treppen, Fahnen, Antennen verschandelt.

Der Betrachter wartet auf den Vogel, der das Giganten Ei hervorgebracht hat — und der Vogel erscheint. Seine Schwingen verdunkeln die Sonne; die Gaffer fliehen in Panik. Der Riesen Aar zerstört mit wenigen Griffen den menschlichen Plunder; das Junge bricht durch — ein gewaltiges, gleichwohl hilfloses Vogelkind.

Panzer fahren auf. Was nicht einzuordnen, so nicht zu vermarkten ist, wird vom Menschen getötet. Die Leiche als Menetekel für mögliche unbekannte Mächte an ein himmelhohes Kreuz gekettet. Dem Undurchschaubaren wird menschliche Gesinnung anschaulich gemacht. Bis hierher ist die Metapher Wahrheit — umschrieben, bebildert als Märchen. So wie es die besten Produkte der Und der Himmel bewölkt sich mit vielen Riesenvögeln, und überall liegen die kosmischen Eier und bedrohen die Menschheit, die sich schuldig, schuldig, schuldig gemacht hat. Natur rächt sich, die Gemetzelten erheben sich, schlagen zurück. Wer an der Zerstörung der Natur durch den Menschen, an diesem unbegreiflich selbstmörderischen Widersinn leidet, den erfüllt mit diesen Bildern ein Gefühl von Genugtuung: Trennung der Gerechten von den Ungerechten, der Spreu vom Weizen, ist nicht machbar. Also wird der Planet — um zu überleben — sich wohl von allem befreien müssen, was auf ihm lebt: eine totale Katharsis.

Die neuen Märchen — wie King Kong oder E T — mahnen Verständnis für das nicht zu Verstehende ab, befinden aber den versöhnlichen Schluß als notwendig für die Umsetzung in Massenmedien. Dies hier ist nur ein schmales kleines Buch, aber es zeigt auf vierzig Blättern eine harte, erbarmungslose Abfolge von Geschehnissen, die so oder ganz anders über uns kommen könnten, wenn wir uns nicht ändern. Gert Hauche Monique Martin: Das Ei Verlag an der Este, Buxtehude; 42 S , DM