Diese Stelle aus dem Anfangskapital ist typisch für den Grundtenor des Werkes, das von der noch nicht begrifflich gefaßten "Permanenzexistenz" des Menschen ausgeht und über Mythos und Erzählung — wobei die mythische Darstellungsform als "rückständig" und von der psycho sozialen Evolution überholt angesehen wird — bis zu schriftlich niedergelegten, aus der Genealogie hervorgegangenen Darstellungen reicht. Das älteste Dokument, das bisher entziffert werden konnte, sind die Trümmer des sogenannten Palermosteins: ägyptische Staats- und Königsannalen aus dem ersten Drittel des dritten Jahrtausends; seine Aufzählungen von Daten und Taten sind ergänzt durch Beschreibung von Festen und Kulten, dem "für die Reichserhaltung, die Welterneuerung wichtigen Wiederholungszeremoniell".

Dem monozentrischen Geschichtsdenken des Alten Testaments, bei dem alle Ereignisse aus der Perspektive der eigenen Gruppe gewertet werden, steht die duozentrische Betrachtung seit Herodot gegenüber: Sie verbindet Innenwelt und Außenwelt miteinander. Die Barloewens sehen "nicht allzu viele Fortschritte" von da bis zu Herder — der in seinen "Ideen zu einer Philosophie der Geschichte der Menschheit" alle bisherige Tätigkeit des menschlichen Geistes auf tiefere Gründung und Verbreitung von Humanität und Kultur auslegte.

Kulturelle Errungenschaften, Werkzeugbau, Wohnstätten, Landbebauung, Menschenwanderungen werden zwischen China, Europa, Amerika und so weiter verglichen. Barloewens Frage nach dem "Bewußtsein", zum Beispiel der Werkzeugfähigkeit im Mittelpaläolithikum, finden in Ausgrabungsfunden im Wadi el Adja in Südlibyen eine Antwort: Die Steinidole sind wahrscheinlich KultGegenstände. Wohnstätten, deren Mauern mit Hilfe großer Mammutknochen gestützt sind, lassen auf jahreszeitliche Benutzung schließen, könnten aber auch Vermutungen über territoriale, vielleicht sogar politische Einheiten zulassen.

Ob der Neandertaler "schon" sprechen konnte oder nicht, ist oft diskutiert worden. Die beiden Barloewen werfen kurze Blicke auf die ältere Ur~ und Frühgeschichte und Theorien wie die von Arnold Gehlen, die ihrer Meinung nach in viel zu kurzen Zeiträumen rechneten. Sie nehmen eine Schritt für Schritt sich vollziehende Evolution an, nicht zwei Phasen: eine unglaublich lange Phase des Dahindämmerns und eine zweite "hektischer Betriebsamkeit", in der der Jetztmensch gleichsam wie ein Phönix aus der Asche im Vollbesitz all seiner Möglichkeiten emporsteigt.

Abgesehen davon, daß das wohl niemand so berauptet hat, ist die anatomische und psycho soziale Erklärung der stetig und allmählich sich vollziehenden Entwicklung vom "prälogischen Naturmenschen", wie die Ethnologie in den zwanziger Jahren sagte, zum abstraktionsbegabten Systematiker voller Spannung.

Die Funde über Bodennutzung, Besiedlungsdichte, über Weltbilder in den Zentren und dem, was später "Provinz" heißt, geben im Vergleich den Zusammenhang lokaler Kultur mit dem Weltganzen: Griechenland steht neben China, Japan neben Ägypten, die Inkas neben Rom. Im Kapitel über "soziale und sakrale Repräsentanz" ist von der Integration der sozialen Verhaltensnormen in die religiöse Sphäre die Rede. Das klingt unscheinbar, einleuchtend, harmonisch. Was aber Staatsmacht und Priesterschaft als Hüter einer von oben herabgesenkten Ordnung an Eigeninitiativen kleiner Gruppen oder von Individuen unterdrückten und mit welcher Gewalt sie gegen Störer der Ordnung vorgingen, erfahren wir nicht.

Wohl aber ist das Scheitern der Religionsreform des Echnaton beschrieben. Neu an der Aton Religion war offenbar nicht, daß eine Gottheit das ewige Leben des Königs und seiner Gefolgsleute garantierte, sondern eher der Ausschließlichkeitsinspruch "Echnaton bekämpfte erbittert die Hauptkirchen des Staates, allen voran die AmunJleligion. Die Macht der großen Kirchen Ägyptens über die Güter und über die Seelen der Menschen war aber im Neuen Reich so weit gefestigt, daß Echnatons Reform zum Scheitern verurteilt war. Die Rückwendung des Landes zu einer neu "ormulierten Königsreligion war im Verlauf der welthistorischen Entwicklung zu ethischen Religionsformen, zur Integration von Sozialmaximen in den Sakralbereich nicht mehr möglich. Daher blieb der letzte vorderorientalische Versuch einer Renaissance der Königsreligion, welche die Herzen der Menschen unbefriedigt ließ, Episode " Mit der Plausibilität der Erzählung wächst das Unbehagen an der Sprache, in der das Vielerlei der Entwicklungen vermittelt wird "Rom trat als Missionsgebiet kultureller Bewegungen aus dem Osten in Erscheinung" — war nicht gerade gegen die Individualisierung der Geschichte geredet worden? Wenig vorher war der Pavian "seit Jahrmillionen aus dem dichten Wald herausgetreten", wie Schillers "Räuber groß und wild" aus Kinderzeiten.