Es ist nicht genau überliefert, wer um die Jahrhundartwende den ersten Teddybären nähte. War es Margarete Steiff aus Schwaben, die Urmutter aller Tiere mit Knopf im Ohr?

Oder der Sußwarenhändler Morris Michtom aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn, der in seinem Schaufenster auch Stofftiere feilbot?

Die Urheberschaft ist ungeklärt, der Taufpate aber steht eindeutig fest: Theodore "Teddy" Roosevelt, amerikanischer Präsident, Friedensnobelpreisträger und Bärenjäger, Auf einer Reise bekam der Landesvater von zuvorkommenden Gastgebern einmal einen Jungbären am Seil präsentiert. Man dachte, dieses Tier würde er sicher gern erlegen. Doch der Präsident war entsetzt "Wenn ich diesen kleinen Bären umbringe, könnte ich meinen Kindern nie wieder in die Augen sehen soll er gesagt haben, und ein Karikaturist setzte die Szene flugs aufs Papier. Die Geschichte rührte ganz Amerika. Sie brachte gleich zwei Spielzeugverkäufer auf die Idee: "Teddies"

nannte Mr. Michtom aus Brooklyn fortan die Bären in seinem Schaufenster und holte dafür eigens eine Genehmigung im Weißen Haus. Sie war nicht exklusiv: Auch ein New Yorker Importeur, der ungefähr zur selben Zeit, im Jahr 1903, 3000 Petze bei den Steiffs orderte, durfte den Spitznamen des Präsidenten benutzen. Die "Teddies" waren geboren.

Wie ihre steile Karriere dann weiterging, darüber berichtet ein Bildband, den die französischen Bärensammler Genevieve und Gerard Picot zusammengestellt haben. Das großformatige Buch, das in Photos und Layout edlen Reprasentationsbänden über berühmte Maler, Bauten oder ferne Landschaften in nichts nachsteht, ist für große und kleine Bärenhistoriker eine wahre Fundgrube. Wer weiß schon, daß der Erzähler von Winnie tbe Pooh, der englische Essayist Alexander Milne, nach Aussagen seines Sohnes Christopher Robin Kinder nie ausstehen konnte und die besten Passagen seiner Bücher einfach den Konversationen seines Sohnes mit dessen Teddybär ablauschte? Oder daß Mütter Teddybären niemals waschen sollten, weil sie dann für die Kinder den vertrauten Geruch verlieren? Und wer hätte schließlich gedacht, daß Teddies so photogen sind: Bären aus Sackleinen, Samt und Fell, abgeschabte Veteranen mit nur einem Arm, braune, blaue, rote Petze mit lieben und finsteren Gesichtern. Für echte Arktophile (arctos, griechisch = Bär) bietet der Band sogar eine Bärenbibhographie nebst einem Verzeichnis der Barenmuseen von Paris bis Australien. Millionen Denkmäler für Mr. Roosevelt! Irene Mayer List l Genevieve und Gerard Picot:

Teddy — Ein Bär erobert die Welt aus dem Französischen von Frauke Scheel Verlag Wilhelm Heyne, München; 78