Osterfeine auf den Philippinen

Von Susanne Krebs

Freuen Sie sich auch auf Ostern?“ fragt der Fahrer des klapprigen Taxis und dreht sich zu mir um, während er weiter den Wagen durch das Verkehrschaos lenkt. Ein rascher Blick nach vorne, dann sieht er mich mit erwartungsvollem Lächeln an. Wie soll ich ihm klarmachen, daß sich meine Begeisterung in Grenzen hält, denn ich bin schweißnaß von der feuchten Tropenluft und müde von dem langen Flug. Für den habe ich einen Betrag gezahlt, der etwa dem Jahreseinkommen dieses Mannes entspricht. Ich passe mich der philippinischen Gewohnheit an, Probleme einfach nicht zur Kenntnis zu nehmen, und bejahe die Frage, indem ich gegen das Hupkonzert ringsum anschreie.

Die Philippinen bestehen aus mehr als 7000 Inseln. Spanische Eroberer, die diesen Archipel ohne Rücksicht auf ethnische Unterschiede zu einem einzigen Kolonialland zusammenzwangen, christianisierten die Bevölkerung. Kurz vor der Jahrhundertwende übernahm Amerika die Herrschaft. Es folgte eine kurze japanische Besetzung. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs praktizierten die Filipinos einen Schlingerkurs in Demokratie, der mit Marcos’ Diktatur endete. Jetzt versucht Präsidentin Corazon Aquino die angestauten Probleme zu lösen.

Die Philippinen sind das einzige Land Asiens, in dem das Osterfest gefeiert wird. Zwei Tage suche ich nach einem kleinen Reiseunternehmen, denn nichts zieht mich zur Guided tour with airconditioned bus, die vor dem großen Hotel beginnt.

Ich habe Glück. Die Schwester der Empfangsdame hat einen Schwager, dessen Freund einen Minibus besitzt. Dem Ausflug am Karfreitag steht nichts mehr im Wege. Good Friday nennt man hier diesen Tag. Aus der amerikanischen Besatzungszeit haben die Filipinos neben der Nationalsprache Tagalog das Englische beibehalten.

Der geschäftstüchtige Reiseführer hat sich eine kleine Touristengruppe zusammengesucht. Gemeinsam fahren wir auf der Schnellstraße in Richtung Norden. Zunächst ist Angeles unser Ziel, die „Stadt der Engel“, nahe dem amerikanischen Luftwaffenstützpunkt Clark.