Liest man die Abkürzung AI (für Artificial Intelligence) von hinten nach vorne, könnte man spotten, so gibt das den Schrei des Esels. Zur Einfalt kann man allerdings auch von vorne nach hinten gelangen, indem man eine mögliche Entwicklungslinie der AI bis zu Ende denkt: Was, wenn es die Alien Machine nicht geben wird, jenes gefürchtete, superintelligente, aber amoralisch böse Gerät, das sich gegen die Menschen wendet, die es gebaut haben? (Angesichts der größten und unberechenbarsten Rechnerverbünde der Welt, der Computersysteme zur nuklearen Gefechtsführung, erscheint schon der Denkansatz einfältig, so könnte man weiter spotten.)

Was also, wenn auch die intelligenteste Maschine domestiziert bleiben wird, einfach vor sich hin denkt und immer klüger wird, ohne bösartig zu werden? Wird endlich alles gut und der Mensch auf computerunterstützte Art edel, hilfreich und weise werden?

Ich will einmal absehen von der Frage, ob eine Intelligenz, die ohne moralische Prinzipien arbeitet, die Bezeichnung „Intelligenz“ überhaupt verdient. Im übrigen soll nicht interessieren, was Menschen in Zukunft noch für großartige Ultracomputer machen werden, sondern was die großartigen Ultracomputer mit den Menschen machen werden.

Wird eine Fähigkeit ausgelagert, die man als Funktion menschlicher Intelligenz ansieht, so schwindet sie mangels Ausübung mit der Zeit im Menschen selber.

Ein Photoapparat soll dem Menschen die Gedächtnisarbeit abnehmen, Bilder festzuhalten. An Touristen läßt sich beobachten, wie kameraunterstützte Menschen dazu neigen, nicht mehr Landschaften oder Anblicke wahrzunehmen, sondern Photomotive. („Zu Hause kann man sich die Bilder in Ruhe ansehen.“)

Der positive Aspekt dieser Auslagerung von Intelligenz heißt „Überlieferung“, den negativen Aspekt kann man „Kulturverlust“ nennen.

Versucht man, den Wunsch nach künstlicher Intelligenz konsequent durchzudenken, stellt sich die Frage nach dem Ziel. Offenbar handelt es sich bei AI um einen über die Mechanisierung hinausgehenden, ganzheitlichen Versuch, die biblische Bürde der Arbeit vom Menschen fortzunehmen. Die heutigen Arbeitslosenheere nach zehn Jahren forcierter Automatisation geben uns einen Vorgeschmack auf mögliche weitere Entwicklungen.